Laaer Zwiebel

Traditioneller Anbau von Ökotypen von Zwiebeln (Laaer Gelbe und Laaer Rote, Schneeweiße Unterstinkenbrunner), die sich in der der Region rund um Laa an der Thaya, Niederösterreich, entwickelt haben.

Registernummer: 58

Offenlegungsdatum

Der Anbau von Zwiebeln in der Region „Land um Laa“ kann gesichert bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurückverfolgt werden.

Titel

Laaer Zwiebel

Kurzdarstellung oder Behauptung

Traditioneller Anbau von Ökotypen von Zwiebeln (Laaer Gelbe und Laaer Rote, Schneeweiße Unterstinkenbrunner), die sich in der Region rund um Laa an der Thaya, Niederösterreich, entwickelt haben.
Laaer Zwiebeln zeichnen sich durch hohe genetische Variabilität und eine perfekte Anpassung an das warme und trockene pannonische Klima der Region aus. Die Zwiebeln können langsam, ohne künstliche Bewässerung, wachsen. Dies und ein natürlicher Reifeprozess garantieren höchste Qualität.

Produktbezeichnung, Produktklasse

Zwiebelgemüse, Gemüse

Name der Region

Laa an der Thaya, Weinviertel, Niederösterreich, Österreich

Suchgebiet

Lebensmittel und Landwirtschaft

Name des Informationsgebers

AGRAR PLUS GmbH
Ing. Michael Staribacher

Frau Margarete und Herr Karl Weiler
Laa an der Thaya

Name des Antragstellers für den Titel

Keine Angabe

Inhaber des Wissens oder zugehöriger Quellen

Rund 50 Bauern in der Region

Empfänger, Inhaber, Bevollmächtigter, Eigentümer eines Titels

Keine Angabe

Beschreibung

Geschichte:

Speisezwiebel (Allium cepa L.) sind eine der ältesten Kulturpflanzen der Menschheit und werden seit einigen Tausend Jahren als Heil-, Gewürz- und Gemüsepflanzen verwendet.

Etwa 3200 vor Christus finden sich Zwiebel auf ägyptischen Grabgemälden, in Inschriften und Dokumenten.

Eine sumerische Keilschrift (2300 vor Christus) enthält bereits Angaben zu Zwiebelfeldern und der babylonische Codex Hammurapi (18. Jahrhundert vor Christus) belegt, dass die armen Leute einmal im Monat eine Ration von Brot und Zwiebel erhielten.

Um 500 vor Christus gehörten in Griechenland Zwiebeln zum gewöhnlichen bäuerlichen Essen. Im alten Ägypten, Griechenland und Rom schätzte das gemeine Volk die Zwiebeln sehr und aß diese gerne roh. Römische Legionäre brachten Zwiebeln („cepula“) nach Mitteleuropa. Vom lateinischen Wort cepula entwickelte sich über das mittelhochdeutsche Wort "zwibolle", letztlich das heutige Wort "Zwiebel".

Im Mittelalter wurden Zwiebeln zu einer der am meisten verbreiteten Gemüsearten in Mitteleuropa. Zu dieser Zeit dienten Zwiebeln nicht nur als Nahrung sondern wurden auch als Glücksamulett gegen die Pest verwendet.
Zur Zeit der Renaissance kannte man bereits einzelne Zwiebelsorten.

In Österreich werden Zwiebeln traditionell im pannonischen Raum angebaut. Der feldmäßige Anbau gewann um 1900 an Bedeutung.

Medizinische Verwendungen:

Zwiebeln besitzen Inhaltsstoffe, bei denen antimikrobielle, die Gesamtblutfettwerte senkende und HDL erhöhende, blutgerinnungshemmende und blutzuckersenkende Eigenschaften beobachtet wurden.
Frischer Zwiebelsaft wird als traditionelles Hausmittel gegen Erkältungskrankheiten und Husten verwendet. Frisch halbierte Zwiebeln werden darüber hinaus bei Insektenstichen angewendet, indem sie auf die betroffene Hautstelle gelegt werden.

Der Anbau von Zwiebeln im Raum Laa an der Thaya ist seit Mitte des 19. Jahrhunderts dokumentiert. Man kann annehmen, dass vor 1850 kaum ein Feldgemüseanbau erfolgte. Der Grund dafür ist, dass die sumpfigen Böden der Niederungen um Laa drainagiert werden mussten. Eine Voraussetzung dafür war die Beendingung der Regulierung des Flusses Thaya im Jahr 1832.

Um 1890 hinterließ Pfarrer Mathias Gregora ein Manuskript über die Geschichte der Stadt Laa. Er erwähnt, dass Zwiebeln und Knoblauch wichtige und erfolgreiche Produkte der Region waren. Es kann daher vermutet werden, dass Zwiebeln seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch für den Verkauf auf Märkten angebaut wurden. Sie dürften einen guten Ruf bei den Händlern und Konsumenten genossen haben.

Über Jahrzehnte haben die Bauern kontinuierlich die Landsorten „Gelber Laaer“ und „Roter Laaer“ kultiviert und verbessert, da in den Trockengebieten des nördlichen Weinviertels eine Bewässerung nicht möglich ist.
In den 1990er Jahren wurde die Interessentengemeinschaft „IG Laaer Zwiebel“ gegründet.

Seit 1992 sind diese erfolgreich angepassten Sorten in der österreichischen Sortenliste registriert: Gelber Laaer (Sortennummer 809) und Roter Laaer (Sortennummer 873).
Seit 1995 ist die Sorte Schneeweisse Unterstinkenbrunner (Sortennummer 812) registriert.

Seit kurzem sind diese auch im Saatguthandel erhältlich.

Gebiet/ Region:

Das Anbaugebiet der Laaer Zwiebel liegt im Norden des Weinviertels im österreichischen Bundesland Niederösterreich, nahe der Grenze zu Tschechien.
Das Anbaugebiet der Laaer Zwiebel umfasst die Gebiete „Laaer Bucht“- und „Thaya-Pulkau-Becken“.

Die Laaer Bucht und das untere Pulkautal werden durch Berge begrenzt, im Westen durch den Buchberg, im Süden durch das Hügelland von Hollabrunn und Mistelbach und dem Ernstbrunner Wald.
Die Landschaft ist geprägt von lössbedeckten Hügeln, welche in Ebenen übergehen.

Klima und Bodenbeschaffenheit:

Die Böden in der Laaer Bucht sind humusarme, aride Terassenfluren mit tiefgründigen Schwarzerden auf Tegel, Braunerden auf Löss und Smonitza.

Das Klima ist pannonisch. Dies bedeutet eine Jahresamplitude der Temperatur von etwa 20 Grad Celsius, Jahresniederschläge von 300 bis 450 Millimeter welche ihr Maximum in den Sommermonaten Juni und Juli aufweisen, große Windhäufigkeit und wenige Nebeltage.

Lokaler Boden und pannonisches Klima bieten die besten Voraussetzungen für die Entwicklung und den Anbau der Zwiebelökotypen Laar Rote und Laaer Gelbe. Diese sind auch ausschlaggebend für besonders niedrigen Schädlingsdruck.

Laaer Zwiebel:

Sortenbeschreibung:

Gelbe Laaer weisen runde bis flachrunde, braungelbe Knollen auf.
Rote Laaer weisen runde bis flachrunde, violettrote Knollen mit weißer Fleischfarbe und roten Ringen auf.
Die Knollen besitzen einen Durchmesser von 5 bis 7 Zentimeter und ein Gewicht von 20 bis 30 Gramm.
Beide Sorten sind süßlich-scharf im Geschmack, wobei es geschmacklich keinen nachweisbaren Unterschied zwischen den beiden Sorten gibt.
Beide eignen sich zur Direktsaat als auch zum Steckzwiebelanbau.
Die Bauern haben die Sorten nach unterschiedlichen Gesichtspunkten selektieret. Von Zeit zu Zeit wurden auch immer wieder weiße Sorten wie zum Beispiel die „Schneeweisse Unterstinkenbrunner“ selektiert. Diese weißen Zwiebeln sind etwas schärfer im Geschmack.

In der Region um Laa werden hauptsächlich gelbe Zwiebel (Gelbe Laaer) und nur 20 Prozent rote Zwiebel (Rote Laaer) angebaut.

Die Qualität der Laaer Zwiebel ergibt sich aus folgenden Faktoren:

  • Die Zwiebel sind auf Naturregen angewiesen, sie werden nicht bewässert. Dies ergibt ein langsameres Wachstum und dadurch, eine festere, feinfaserigere Beschaffenheit, einen aromatischeren Geschmack und eine längere Lagerfähigkeit.
  • Sie werden handverlesen.
  • Eine natürliche Abreife auf dem Feld wirkt sich positiv auf den Geschmack aus.

Produktionsmethode:

Laaer Zwiebeln zählen zu den Sommerzwiebeln.
Der Boden wird im Herbst gepflügt und im Frühling erfolgt das Eggen.
Mitte März, wenn die Böden sich im optimalen Zustand befinden, werden die Samenkörner in Reihen ausgesät. Der Steckzwiebelanbau beträgt nur circa 5 Prozent.

Der Anbau der seltenen landwirtschaftlichen Sorten Laar Rote, Laaer Gelbe und Schneeweiße Unterstinkenbrunner wird im Rahmen des Österreichischen Programms für umweltgerechte Landwirtschaft (ÖPUL) gefördert. Dieses Programm legt Beschränkungen hinsichtlich der Anwendung von Dünger und Pflanzenschutzmittel für den Zwiebelanbau fest.

Ernte und Lagerung:

Die Zwiebelernte erfolgt von August bis September.
Die Entfernung des Lauchs erfolgt maschinell.

Der durchschnittliche Ertrag liegt bei 25 bis 30 Tonnen Zwiebel pro Hektar.

Die Lagerung der Zwiebel erfolgt in Holzkisten, in kühlen, dunklen und trockenen Lagerhallen. Für den Verkauf werden die Zwiebeln händisch sortiert und zu 5 Kilogramm, 10 Kilogramm und 25 Kilogramm Säcken verpackt.

Qualitätskontrolle:

Qualitätskontrolle der Laaer Zwiebel erfolgt im Rahmen des AMA-Gütesiegelprogramms „Obst, Gemüse und Speisekartoffeln“ (AMA-Gütesiegel) durch unabhängige Kontrollstellen (zum Beispiel SGS, SLK, …).
Laaer Zwiebeln müssen den Anforderungen der Qualitätsklasse I entsprechen. Das heißt, die Zwiebeln müssen fest und kompakt, frei von Schwellungen und Wurzelresten sein, können jedoch geringe Abweichungen in Form und Farbe aufweisen. Die Knollen dürfen nicht gekeimt sein.

Vermarktung:

Die Vermarktung der Laaer Zwiebeln erfolgt ab September bis Anfang Mai durch die „Interessensgemeinschaft Laaer Zwiebel“.

Die Vermarktung der Zwiebel erfolgt durch Direktvermarktung in der Region, an den Österreichischen Lebensmittelhandel, innerhalb der EU sowie durch Export.

Rund zwanzig Bauern und sechs Wirte der Region versuchen mit neuen Vermarktungsstrategien ein landwirtschaftliches Leitprodukt der Region aufzubauen.
Diese Aktivitäten beinhalten Informationsveranstaltungen und Ausstellungen über die Zwiebel, ein Zwiebelkochbuch sowie ein jährlich stattfindendes Zwiebelfest in Laa an der Thaya.

Zusammenhang mit dem geographischen Gebiet und Traditionellem Wissen

  • Spezielle humusarme, aride Böden und trockene pannonische Klimaverhältnisse bieten ideale Vorraussetzungen für den Anbau von Zwiebeln höchster Qualität.
  • Laaer Zwiebeln umfassen die Sorten Gelbe Laaer, Rote Laaer und Schneeweiße Unterstinkenbrunner, die sich über Jahrhunderte optimal entwickelt und an die lokalen Gegebenheiten angepasst haben.
  • Durch spezielle Produktionsmethoden (keine künstliche Bewässerung, natürliche Abreife auf dem Feld, Handverlesung) und besondere geographische Verhältnisse können Zwiebel erzeugt werden, die hinsichtlich Geschmack Besonderes bieten.
  • Die Erzeugung von Laaer Zwiebel ist das Ergebnis des Traditionellen Wissens, das über die Generationen weitergegeben wurde: Traditionelles Wissen und Erfahrung der Zwiebelbauern (Anpassung von Zwiebeln an die Gegebenheiten der Umwelt; Entwicklung von lokalen Ökotypen, Verbesserung des Erbguts, traditionelle Anbau- und Lagermethoden).

Verwertung:

Die Laaer Zwiebel wird zu Zwiebelmarmelade, Knabber-Zwiebel, Zwiebel-Leberkäse, Zwiebel-Streichwurst, Zwiebel-Presswurst und Zwiebelschnaps weiterverarbeitet.

Schutz:

Keine Angabe

Schlüsselworte

Lebensmittel und Landwirtschaft, Traditionelles Wissen, Österreich, Region, Niederösterreich, Weinviertel, Laa an der Thaya, Zwiebel, Allium cepa, Laaer Gelbe, Laaer Rote, Schneeweiße Unterstinkenbrunner, Laaer Zwiebel

Bibliographie/ Referenzen

  • AGES Sortenliste 2008
  • Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften. GEMEINSAMER SORTENKATALOG FÜR GEMÜSEARTEN, 20. Gesamtausgabe (98/C 130 A/01)
  • Bluza, Köch & Umurken - Auf den Spuren traditioneller Gemüsesorten in Österreich.
    Die Küchenzwiebel- Allium cepa
  • Common catalogue of varieties of vegetable species - 26th complete edition - Legend - List of vegetable species - List of names of the person or persons responsible for the maintenance of varieties and the authority holding the list of names of such persons Official Journal C 196 A, 24/08/2007 Page 0001 – 0562
  • Darstellung des Erzherzogtums Österreich unter der Enns, 3. Band, 1834, Seite 251
  • Das gesunde Land um Laa - Eingebettet in die Landschaft
  • Der Förderungsdienst. Sonderheft 3/1966.
  • DI Josef Keferböck: Skriptum zum Produktverwertungskurs Zwiebel, 1995.
  • DI Wagner, 1991: Die Böden sind sommerheiße, sehr trockene Terassenfluren mit tiefgründigen Schwarzerden
  • Dorferneuerungsverein Hanfthal
  • Erfahrungen mit der Förderung landwirtschaftlicher Vielfalt in Österreich
  • FIBL Forschungsinstitut für biologischen Landbau, Ackerstrasse, Postfach, 5070 Frick, 2003.
  • Habitzl Martin, „Lebenserinnerungen“. Tagebuch von M. Habitzl, Laa  an der Thaya, Katastralgemeinde Hanfthal 115 (Mitteilung des Stadthistorikers von Laa, Dr. Rudolf Fürnkranz).
  • Handschriftliches Manuskript von Pfarrer Mathias Gregora, 1890.
  • Interessensgemeinschaft (IG) Laaer Zwiebel
  • Laa an der Thaya das Zwiebelland
  • Laa an der Thaya (AT-NÖ01)
  • Laaer Zwiebel Genuss Region
  • Laaer Zwiebel
  • NPK-Dünger
  • Onion aficionados weep
  • ÖPUL 2007 - Seltene landwirtschaftliche Kulturpflanzen (SLK)
  • Österreichisches Programm zur Förderung einer umweltgerechten, extensiven und den natürlichen Lebensraum schützenden Landwirtschaft Sortenliste "seltene landwirtschaftliche Kulturpflanzen"
  • R.Jandl, H. Anglberger, M. Reh und E. Halmschlager. Auswirkung von Düngemaßnahmen auf einen sekundären Fichtenbestand im Kobernaußerwald mit Symptome des Fichten-Triebsterbens
  • Schriftliche Mitteilung des Regionalentwicklungsverein Land um Laa; Karl Nagl, 29. Februar 2008.
  • SCHWEICKHARDT. Darstellung des Erzherzogtums Österreich unter der Enns, 3. Band, 1834,  Seite 251
  • WINNA F.  Dorfkunde Hanfthal, 1989.
  • Winna Friedrich. „Dorfkunde“  Fürnkranz Rudolf Hanfthal" 1989, Seite 118 (Mitteilung des Stadthistorikers von Laa, Dr. Rudolf Fürnkranz)
  • Zwiebel Wikipedia (Zugriff: 20.3.2008)
  • Zwiebel Foodnews
  • Zwiebeln
  • Zwiebelfest
  • Zwiebelmetropole Heldrungen, BRD, 1996

Letzter Zugriff aller Internetreferenzen erfolgte am 17. September 2008.

Sprachcode

Deutsch

Regionaler Ansprechpartner

Tourismus- und Innovationsverein Land um Laa
Stadtplatz 43
2136 Laa an der Thaya
Telefon: +43 2522 2501-29
Telefax: +43 2522 2501-51
Homepage: http://www.landumlaa.at/
E-Mail: tourismus@laa.at

Autoren

Mag.a Eva Sommer, Dr. Erhard Höbaus

Veröffentlicht am 07.02.2020, Agrarische Wertschöpfungskette und Ernährung (Abteilung II/8)