Abwasserkennzahlen

Bevor Abwasser in Gewässer eingeleitet wird, muss es in Kläranlagen gereinigt werden. Als Maßzahlen für die Schmutzstoffbelastung werden verschiedene Kenngrößen herangezogen.

Als Maßzahlen für die Schmutzstoffbelastung gelten der Biochemische Sauerstoffbedarf (BSB-Wert), der chemische Sauerstoffbedarf (CSB-Wert) und die Menge an Stickstoff und Phosphor. Publiziert am 21.09.2011

Biochemischer Sauerstoffbedarf (BSB)

Zum Abbau organischer Verschmutzungen im Abwasser wird Sauerstoff benötigt. Bakterien und andere Kleinstlebewesen im Wasser bauen die organischen, d.h. Kohlenstoff enthaltenden Stoffe wie z.B. Fette, Eiweiß, Kohlehydrate und Alkohole ab.

Nach einem genau festgelegten Verfahren wird ermittelt, wie viel Sauerstoff in einer Wasserprobe dabei verbraucht wird. Der Wert wird in Milligramm pro Liter (mg/l) angegeben. Der BSB ist somit ein indirektes Maß für die Summe aller biologisch abbaubaren organischen Stoffe im Wasser.

In der Regel wird der BSB5, d.h. jene Sauerstoffmenge, die in 5 Tagen verbraucht wird, herangezogen.

Das häusliche Abwasser einer einzelnen Person verursacht im Mittel einen biochemischen Sauerstoffbedarf von 60 Gramm je Tag (60 g/d).

Chemischer Sauerstoffbedarf (CSB)

Der CSB-Wert gibt die Menge an Sauerstoff an, die benötigt wird um alle im Wasser enthaltenen organischen Verbindungen, einschließlich der schwer abbaubaren, (z.B. Pflanzenschutzmittel) und einige anorganische Stoffe durch chemische Oxidation abzubauen. Der Abbau erfolgt dabei nicht über Bakterien sondern mit Hilfe eines Oxidationsmittels, das die Stoffe chemisch zerlegt. Der CSB-Wert wird in der Regel in Milligramm pro Liter (mg/l) angegeben.

Stickstoff (N) und Phosphor (P)

Zwei weitere wichtige Parameter drücken die Belastung des Abwassers mit Pflanzennährstoffen aus: Stickstoff und Phosphor. Sie gelangen aus der Landwirtschaft in Form von Dünger oder als kommunales Abwasser, das Reste von Wasch-, Reinigungsmitteln und Exkrementen enthält, in die Gewässer.

Weitere Kennzahlen

Einwohnerzahl (EZ)

Diese Maßzahl steht für die Anzahl der Personen, d.h. tatsächlichen Einwohner und Einwohnerinnen, die an eine Kläranlage angeschlossen sind.

Einwohnerwert (EW)

Das durch Duschen, Baden, Wäschewaschen, Geschirrspülen, Benutzen der Toilette usw. täglich entstehende häusliche Abwasser einer Einzelperson – man rechnet hier in etwa mit dem durchschnittlichen Trinkwasserverbrauch – verursacht im Mittel einen biochemischen Sauerstoffbedarf von 60 Gramm je Tag (60 g/d). D.h. der EW60 steht für den organischen Einwohnerwert = Verbrauch einer Person von 60g BSB5 pro Tag.

Der Einwohnerwert ist ein Vergleichswert für die in Abwässern enthaltenen Schmutzfrachten. Mit Hilfe des Einwohnerwertes lässt sich die Belastung einer Kläranlage ausdrücken. Dabei handelt es sich um die Summe aus den tatsächlichen Einwohnern und Einwohnerinnen (Einwohnerzahl EZ) und den Einwohnergleichwerten (EGW).

Einwohnergleichwert (EGW)

Als Maß für die Schmutzfracht, die mit gewerblichem Abwasser in eine Kläranlage gelangt, dient der Einwohnergleichwert. Er vergleicht die Schmutzfracht eines gewerblichen Abwassers mit jener aus dem häuslichen Abwasser einer einzelnen Person.

Wird zur Ermittlung des EGW der Biochemische Sauerstoffbedarf (BSB5) herangezogen, teilt man die mittlere tägliche Schmutzfracht im gewerblichen Abwasser eines Betriebes durch die 60 g/d, die eine Einzelperson durchschnittlich pro Tag verursacht.

Beispiel: Das Abwasser einer mittleren Brauerei mit einem Bierausstoß von 100.000 Hektoliter pro Jahr entspricht etwa 50.000 EGW. Die gleiche organische Schmutzfracht ist im häuslichen Abwasser einer Stadt mit 50.000 Personen enthalten.

Veröffentlicht am 23.07.2019, Anlagenbezogene Wasserwirtschaft (Abteilung I/4)