Kläranlagen in Österreich

Die Abwasserreinigung hat in Österreich, auch im internationalen Vergleich, ein sehr hohes Qualitätsniveau erreicht.

 

Bestand an kommunalen Kläranlagen

Die Reinigung des anfallenden Abwassers in Kläranlagen ist ein essentieller Beitrag zum schonenden Umgang mit der Ressource Wasser.

Im Jahr 2018 waren in Österreich 1869 Kläranlagen mit einer Bemessungsgröße von > 50 Einwohnerwerten (EW60) erfasst, davon wiesen 633 Kläranlagen eine Reinigungskapazität von mehr als 2000 EW60 auf.

Die vorhandene Ausbaukapazität der 1869 Kläranlagen > 50 EW60 beträgt insgesamt rd. 21,6 Mio. EW60.

In Österreich sind 95,9 % der Bevölkerung über die Kanalisation an kommunale Kläranlagen angeschlossen.

Reinigungsleistung

In der überwiegenden Anzahl der kommunalen Kläranlagen > 2000 EW60 erfolgt eine mechanische Reinigung der Abwässer durch Rechen und Siebe, die Entfernung der Nährstoffe Kohlenstoff und Stickstoff in der biologischen Stufe der Abwasserreinigung sowie die Entfernung des Nährstoffes Phosphor entweder ebenfalls in der Biologie oder durch chemische Fällung. Darüber hinaus wird eine Vielzahl von Chemikalien aus Haushalten sowie Gewerbe und Industrie (Indirekteinleiter) abgebaut oder durch Adsorption am Klärschlamm aus dem Abwasser entfernt. Zudem erfolgt in den Kläranlagen eine Reduktion der im Zulauf vorhandenen Mikroorganismen um ca. 99%.

Die mittlere erreichte Reinigungsleistung der Kläranlagen > 50 EW60 beträgt für die Kohlenstoffentfernung, beschrieben durch den Parameter Biochemischer Sauerstoffbedarf BSB5 99 % bzw. für den Parameter Chemischer Sauerstoffbedarf CSB 95 %

sowie für Stickstoff (Nges) 81 % und Phosphor (Pges) 91 %.

Mit dieser Reinigungsleistung erfüllt Österreich die Vorgaben der EU Richtlinie zur Behandlung von kommunalem Abwasser zu 100 %.

Kosten

Im Jahr 2018 betrug die durchschnittliche Abwassergebühr pro Einwohner und Jahr 161,- Euro

Die jährlichen Betriebskosten einer Kläranlage lagen pro Einwohner und Jahr zwischen 16 Euro (Kläranlagen > 100 000 EW60) und 34 Euro (Kläranlagen 5 000 bis 20 000 EW60).

Seit 1959 wurden in Österreich rund 48 Mrd. € in die Abwasserwirtschaft für die Errichtung von Kanälen und Kläranlagen (fast 93.000 km öffentlicher Kanal, ca. 1.900 Kläranlagen größer 50 EW60) investiert.

Herausforderungen in der Zukunft sind der Erhalt und die Erweiterung der Abwasserinfrastruktur sowie die Auseinandersetzung mit den Themenbereichen Arzneimittel, Chemikalien, Antibiotikaresistenzen, Mikroplastik, Nanomaterialien und Krankheitserreger.

Rechtliche Grundlagen

Die wesentlichen Rechtsgrundlagen für Kläranlagen stellen § 33b des Wasserrechtsgesetzes 1959 und die auf dieser Grundlage erlassenen Abwasseremissionsverordnungen dar. Mit diesen Bestimmungen werden auch die Vorgaben der EU Richtlinie 91/271/EWG zur Behandlung von kommunalem Abwasser in nationales Recht umgesetzt.

Veröffentlicht am 16.09.2020, Anlagenbezogene Wasserwirtschaft (Abteilung I/4)