Ungewöhnliche Trockenheit im Frühling 2020

Das anhaltende Schönwetter hat einen Nachteil, es regnet zu wenig! Meldungen zur Trockenheit wie trocken gefallene Brunnen, Wassermangel in Regionen mit lokaler Trinkwasserversorgung, Sorgen der Land- und Forstwirtschaft und Waldbrände bereits im Frühjahr häufen sich.

Wir sehen die Folgen, aber was steckt dahinter?

Die Grundwasserspiegel von Salzburg ostwärts und im Süden sinken bereits im Frühjahr. Zwei Drittel der fernübertragenen hydrographischen Messstellen an Fließgewässern befinden sich Anfang April 2020 im Niederwasserbereich. Vor allem die Regionen im Norden, Osten und Süden Österreichs sind davon betroffen. Der Wasserstand des Neusiedler Sees und viele Grundwasserstände im Flach- und Hügelland befinden sich unter dem vieljährigen Mittelwert. Kommt wieder ein heißer und trockener Sommer, sind das keine guten Voraussetzungen für eine ausgeglichene Wasserbilanz.

Ein Niederschlagsdefizit – die meteorologische Trockenheit – wirkt sich zunächst auf sinkende Wasserstände in den Gewässern aus und wird zur hydrologischen Trockenheit. Eine andauernde meteorologische Trockenheit vor allem während der Vegetationsperiode trocknet den Boden aus und es kommt zur landwirtschaftliche Trockenheit.

Bereits seit 2017 zeigt sich ein Defizit in der Jahresniederschlagssumme in Oberösterreich, in Niederösterreich, im Burgenland und in weiten Teilen der Südsteiermark. Auf den vieljährigen Mittelwert der Jahresniederschlagssumme fehlten in diesen Regionen seit ungefähr drei Jahren zwischen 15 und 30 Prozent. Auf Grund der niederschlagsreichen Winter 2017/2018 und 2018/2019 und des feuchten Mais 2019 war die anhaltende meteorologische Trockenperiode zunächst noch kein großflächiges Problem für die Landwirtschaft. Das trockene und warme Klima begünstigte jedoch die Ausbreitung von Forstschädlingen wie zum Beispiel des Borkenkäfers, der vor allem im Waldviertel massive Schäden in der Forstwirtschaft anrichtet.

Wenig Schnee im Nordosten, Süden und Osten Österreichs.

Im Winter 2019/2020 gab es mittlere Schneeverhältnisse nur oberhalb 1200 m über Adria im Westen und nördlich des Alpenhauptkammes bis ins niederösterreichische Mostviertel. Dazu war es in allen Wintermonaten ungewöhnlich warm. Der Jänner 2020 blieb in ganz Österreich außergewöhnlich niederschlagsarm. Die überdurchschnittlichen Niederschläge im Februar 2020 fielen im Flach- und Hügelland im Osten, Nordosten und Süden Österreichs überwiegend als Regen, kamen somit schnell zum Abfluss und trugen nur wenig zur Grundwasserneubildung bei. Mit Ausnahme von Osttirol und dem westlichen Kärnten blieb es im März 2020 im übrigen Österreich niederschlagsarm. Auf den März-Normalwert fehlen ca. 40 Prozent. Über mehrere Tage stabile Hochdruckgebiete über Zentraleuropa verhinderten auch in der ersten Aprilhälfte den Vorstoß von Niederschlagsfronten aus Nordwest.

Da der Abfluss aus der Schneeschmelze unbedeutend war, befindet sich die Wasserführung vieler Gewässer mit geringem oder keinem alpinen Anteil bereits im Frühling 2020 im Niedrigwasserbereich. In der Thaya im Waldviertel und an der March verringerte sich der Abfluss bereits seit 2015 auf die Hälfte der mittleren Jahressumme.

Erkenntnisse im Zusammenhang mit dem Klimawandel

Unbestritten ist, dass sich die Lufttemperatur durch den anthropogen verursachten Klimawandel seit Mitte der 1980er Jahren relativ rasch erhöht hat. Die Vegetationsperiode ist länger und damit hat sich auch die Verdunstung im Frühling und Sommer um circa 15 Prozent erhöht. Perioden mit unterdurchschnittlichem Niederschlag, ungünstiger jahreszeitlicher Verteilung und Winterniederschläge die immer öfter als Regen fallen, reduzieren die Grundwasserneubildung. Bei gleichbleibenden oder erhöhten Entnahmen der Wassernutzung (Trinkwasser und Bewässerung) wird das Grundwasservolumen dort abnehmen, wo das nachhaltig verfügbare Dargebot bereits ausgenutzt wurde.

Seit 1960 war das Jahr 1971 jenes mit der geringsten Niederschlagssumme, an zweiter Stelle kommt 2003 mit dem Jahrhundertsommer, dann 2015 und 2011, ebenfalls Jahre mit längeren sommerlichen Hitzeperioden. Es ist zu erwarten, das Trockenjahre in Zukunft häufiger auftreten werden.

Die Hydrographie Österreichs betreibt ein umfangreiches gewässerkundliches Messnetz zur Beobachtung der Wasserkreislaufkomponenten Niederschlag, Abfluss und Grundwasservolumen. Von vielen Messstellen werden die Daten fernübertragen. Sowohl aktuelle Daten als auch geprüfte vieljährige Datenreihen, veröffentlicht das BMLRT auf der Internetseite www.ehyd.gv.at.

Das Projekt WETRAX+ beschäftigt sich unter anderem mit der Frage welche Wetterlagen in der Vergangenheit im Donauraum Trockenperioden verursachten. Das Ergebnis dieser Analyse wird mit den Klimamodellen der Zukunft kombiniert. Ein Teilziel dieses vom BMLRT mitfinanzierten und begleiteten Projekts ist, belastbare Aussagen zum Thema Klimawandel, Auftrittswahrscheinlichkeit von Trockenperioden und deren Dauer, für den Zeitraum bis 2060 zu erhalten.

Trinkwasserversorgung in Österreich ist gesichert.

Die österreichischen Gemeinden und Wasserversorger waren bereits im Trockenjahr 2003 in einigen Regionen mit kritischen Grundwasserständen konfrontiert. Seit damals wurden laufend Maßnahmen gesetzt, die maßgeblich zur Versorgungssicherheit der Bevölkerung beigetragen haben und sich im Trockenjahr 2015 bewährten. Zu den erfolgreichen Maßnahmen zählten unter anderem der Zusammenschluss kleinerer Versorgungseinheiten zu größeren, teils überregionalen Netzen oder die Erschließung zusätzlicher unabhängiger Quellen und Brunnen. Besitzer von Liegenschaften mit eigenen Hausbrunnen, die bislang nicht an öffentliche Versorgungsnetze angeschlossen werden konnten, spüren vermehrt die Auswirkungen sinkender Grundwasserstände. Im Großen und Ganzen kann jedoch die Trinkwasserversorgung in Österreich als gesichert angesehen werden.

Ruf nach Bewässerung für die Landwirtschaft

Schwieriger gestaltet sich die Situation für die Landwirtschaft, wo längere Trockenperioden direkte Auswirkungen auf die Erträge, einerseits durch geringeres Pflanzenwachstum und andererseits durch höhere Schädlingsanfälligkeit, haben. Fehlende Niederschläge können nur durch aufwändige Bewässerungen ausgeglichen werden, was bislang vorrangig in Einflussbereichen größerer Flüsse - etwa entlang der Donau im Marchfeld ‑ für Sonderkulturen wie Gemüse und im Weinbau Anwendung fand. Zunehmende Ertragseinbußen lassen jedoch auch in landwirtschaftlichen Gebieten mit geringer Wasserverfügbarkeit, wie im niederösterreichischen Weinviertel oder in der Südsteiermark den Ruf nach Bewässerung, Wasserspeicherung und Wasserrückhalt in der Region laut werden.

Grundwasser – versteckter Schatz und erneuerbare Ressource

Generell greifen wir in Österreich bei vielen Wassernutzungen, wie Trinkwasserversorgung, landwirtschaftliche Bewässerung oder dem Industriewasserbedarf zumeist auf unsere Grundwasserressourcen zurück. Das hat einen guten Grund. Denn Grundwasser ist im Gegensatz zu Oberflächengewässern besser vor möglichen Verunreinigungen geschützt und oft auch kostengünstiger zu gewinnen. Grundwasser kann fast überall in Österreich ohne weitergehende Aufbereitung als Trinkwasser genutzt werden. Allerdings ist Grundwasser nicht überall gleich gut verfügbar. Das hängt in erster Linie mit dem geologischen Hintergrund zusammen. Grundwasser liegt in sehr ergiebigen Sedimenten ehemaliger Flussläufe als Porengrundwasserkörper vor, in Form von schwierig erschrotbaren Vorkommen in Gesteinshohlräumen wie etwa der Böhmischen Masse oder im Karstgestein des zentralen Alpenraums, wo es oft als Quelle natürlich zutage tritt. Die Erneuerungsrate der Grundwasservorkommen hängt in erster Linie von der Niederschlagsmenge in einer Region ab, aber auch von der Geologie, den Bodenverhältnissen, der regionalen Klimatologie und den Entnahmen. Durch den Einfluss dieser unterschiedlichen Rahmenbedingungen dringt nur ein geringer Anteil des Niederschlags bis ins Grundwasser vor. Ein Großteil fließt oberirdisch ab oder verdunstet. Um eine nachhaltige Nutzung der vorhandenen Grundwasserressourcen sicherzustellen, dürfen die mittleren jährlichen Entnahmen langfristig das vorhandene nutzbare Grundwasserdargebot nicht überschreiten.

Wasserschatz Österreichs – Grundlagen für nachhaltige Nutzungen des Grundwassers

Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus hat eine Studie in Auftrag gegeben, um den aktuellen und – unter Berücksichtigung der Auswirkungen des Klimawandels – den künftigen Ausnutzungsgrad der österreichischen Grundwasserressourcen flächendeckend darzustellen. Die Ergebnisse der Studie finden Eingang in den Nationalen Gewässerbewirtschaftungsplan 2021, das übergeordnete wasserwirtschaftliche Planungsinstrument, der sich erstmal dezidiert mit der Bewirtschaftungsfrage des Wassermengenmanagements auseinandersetzen wird.

Damit wird ein wesentlicher Beitrag zur langfristigen Versorgungssicherheit der Bevölkerung mit ausreichend qualitativ hochwertigem Grundwasser geleistet.

Veröffentlicht am 20.04.2020, Wasserhaushalt (Abteilung I/3)