Sommer 2015 - Trockenheit in weiten Teilen Österreichs

Stationär bleibende, trockene Luftmassen aus dem Südosten Europas verursachten einen heißen Sommer mit wenig Niederschlag.

Der Sommer 2015 war in vieler Hinsicht extrem, heiß am Tag, nur geringe Abkühlung in der Nacht

Trockene kontinentale Luftmassen aus dem Südosten Europas verursachen in Österreich bereits die dritte Hitzeperiode in diesem Sommer. Die Hitzeperioden im Juli führten vor allem im Norden und Osten des Landes zu neuen Temperaturrekorden. Auch die Nächte brachten keine erholsame Abkühlung. An einigen Messstellen in Niederösterreich wurde die 30 °C Marke bereits um 08:00 Uhr am Morgen überschritten.

Wie außergewöhnlich der Sommer 2015 hinsichtlich der Temperatur und der Anzahl der Hitzetage ist, beschreibt eine Analyse der ZAMG.

Die Trockenperiode im Norden und Osten Österreichs belastete die Landwirtschaft extrem.

Soweit man überhaupt von Niederschlag sprechen kann, zeigen sich räumlich starke Unterschiede zwischen dem Norden und Süden Österreichs. Zahlreiche Schauer und Gewitter brachten die Niederschlagssumme im Süden – Osttirol, Kärnten, südliche Steiermark – im Juli etwas über den Monatsmittelwert. Nördlich der Alpen von Vorarlberg im Westen bis ins Weinviertel im Osten regnete es kaum und wenn, dann nur lokal mit Unwetterfolgen. In Vorarlberg und Oberösterreich fehlen 60 Prozent auf die mittlere Monatssumme des Niederschlags im Juli, in Tirol, Niederösterreich und in Wien sind es zwischen 40 und 50 Prozent die auf den Erwartungswert fehlen.

Hohe Ernteschäden in der Landwirtschaft.

Besonders im Norden Österreichs verschärft sich die schon seit dem Frühjahr 2015 anhaltende Trockenheit. Vom Waldviertel bis in den Seewinkel gab von Pfingsten bis in den September kaum flächendeckenden Niederschlag. Es kam zu Dürreschäden an den landwirtschaftlichen Herbstkulturen Kürbis, Kartoffel, Mais, Zuckerrübe, Raps und Soya. Vor allem die große Anzahl der Tage über 30 °C, die geringe, relative Luftfeuchtigkeit der kontinentalen Warmluft und die damit verbundene hohe Verdunstung waren eine außerordentliche Belastung, sowohl für die Menschen als auch die landwirtschaftlichen Kulturen.

Die Abflüsse blieben überwiegend im Niederwasserbereich, kleine Gewässer im Osten fielen trocken.

Die anhaltende Trockenheit in weiten Teilen Österreichs wirkte sich auch auf den Abfluss der Gewässer aus. An keiner Messstelle wurde im Juli der vieljährige Monatsmittelwert erreicht und der Rückgang des Abflusses setzte sich an vielen Pegeln bis Ende August fort.  

Am Pegel Kennelbach/Bregenzerach betrug im Juli 2015 die Abflusssumme lediglich 17 Prozent des Wertes der Vergleichszeitreihe, 28 Prozent waren es in Angern an der March im Osten Österreichs. Etwas geringer fielen die Defizite an den größeren alpinen Gewässern – Rhein, Inn, Salzach und Mur und den Drauzubringern im Süden – aus, wo der Juli Mittelwert zwischen minus 10 und minus 30 Prozent unterschritten wurde.

Ende August befanden sich alle Pegel im Niederwasserbereich. Relativ gesehen die geringste August-Abflusssumme ergab sich am Pegel Raabs an der Thaya im niederösterreichischen Waldviertel, wo der Abfluss nur knapp 15 Prozent des Vergleichswertes seit 1981 erreichte.

Der flächengewichtete Abflussmittelwert aller Pegel dieser Charakteristik ergibt einen Abfluss für den August 2015, der ähnlich wie im Juli circa 35 Prozent unter dem Durchschnitt liegt. Nur auf Grund der überaus abflussreichen Monate Jänner und Februar fehlen auf das vieljährigen Mittel der Zeit von Jänner bis einschließlich August nur etwas mehr als 10 Prozent.

Viele kleinen Gewässer im Mühl-, Wald- und Weinviertel fielen trocken. Eine Situation die bisher - selbst im extremen Sommer 2003 - noch nicht beobachtet wurde.

Niederwassermanagement an der Leitha

Die im Rahmen der bilateralen Gewässerkommission mit Ungarn vereinbarte Niederwasserbetriebsordnung sieht vor, Wasserentnahmen bei Unterschreiten der Niederwasserkenngröße Q95% (Wassermenge die an 95 Prozent der Tage eines Jahres – 347 Tage - nicht unterschritten wird) zu reglementieren. Ab wann nur eingeschränkt oder die Entnahme nicht mehr erlaubt wird, wird mit Ampelfarben auf der Homepage der Hydrographie in Burgenland angezeigt.

Ausgelöst durch die Niederwassersituation an der Leitha, waren Wasserentnahmen aus der Leitha, der Kleinen Leitha, dem Komitatskanal und dem Wiesgraben zur Bewässerung nur eingeschränkt möglich.

Niederwasser auch an der Donau

Die Tagesmittelwerte an der Donau reduzierten sich im Verlauf der Sommermonate stetig, unterschritten ab Anfang Juli an allen Tagen den Mittelwert und erreichten Anfang August die Minima der Vergleichsreihe 1951 bis 2010. Einen Vergleich der Tagesmittelwerte am Pegel Kienstock mit der Ganglinie des Trockenjahres 2003 zeigt das Bild 3 der Bildergalerie. Die Monatsfracht des Abflusses der Donau am Pegel Kienstock blieb im Juli und August circa minus 40 Prozent unter dem Mittelwert der Reihe 1981 bis 2010.

Der Wasserstand des Bodensees reduzierte sich im Juli um beachtliche 65 cm und im August um circa 20 cm im Vergleich zum Mittelwert der Periode 1981 bis 2010. Von Juli bis Mitte September wurde der Mittelwert durchgehend um circa 30 cm unterschritten, am Jahresende entsprach der Wasserstand dem langjährigen Mittelwert.

Nur auf Grund der überdurchschnittlich feuchten Jahre seit 2012 und der Seeausflussregelung blieb der Wasserstand des Neusiedler Sees im Sommer 2015 circa 10 cm über dem Mittelwert der Vergleichsreihe 1981 bis 2010. Nur Ende September 2015 wurde der Mittelwert an wenigen Tagen unterschritten.

Die Grundwassersituation

Gesamt gesehen herrschten 2015 in der ersten Jahreshälfte meist mittlere oder überdurchschnittliche Verhältnisse, wobei besonders von Jänner bis März Werte über dem langjährigen Mittelwert auftraten. In der zweiten Hälfte 2015 lagen die Werte meist im Mittel oder darunter. Im Oktober gab es verbreitet einen deutlichen Grundwasseranstieg, der besonders im Süden kurzfristig zu überdurchschnittlichen Verhältnissen führte. Im Jauntal, Klagenfurter Becken, Krappfeld, Seewinkel und in der Parndorfer Platte lagen die Grundwasserstände das ganze Jahr über dem langjährigen Mittel.

Die meisten Grundwassergebiete profitieren von der einigermaßen feuchten Vergangenheit und standen der Wasserversorgung zur Verfügung. Zu Engpässen kam es nur dort, wo die Mächtigkeit des Grundwasserleiters gering ist, sowie in quellversorgten Gebieten, die auf Grund der Geologie nur eine geringe Speicherfähigkeit aufweisen.

Auch die Abfluss- und Niederschlagsjahresbilanz 2015 blieb unterdurchschnittlich!

Erst der Wetterumschwung am 16. und 17. August 2015 beendete die Hitzeperiode im Norden und Osten Österreichs. Die von Nordwesten an die Alpen geführte Kaltfront brachte aber nur für den Westen und Süden Österreichs abflussrelevante Niederschläge und ein Ende der Trockenperiode. Die Jahresniederschlagssumme 2015, bezogen auf ganz Österreich, blieb 15 Prozent unter dem Wert der Vergleichsperiode 1981 bis 2010. In den letzten 55 Jahren ist dies nach 1971 und 2003 der drittkleinste Niederschlagswert.

Die Jahresbilanz der Abflüsse 2015 zeigt österreichweit gemittelt, ebenfalls ein Minus von circa 15 Prozent im Vergleich mit dem vieljährigen Mittelwert. Die relativ gesehen, geringste Abflusssumme wurde im niederösterreichischen Waldviertel mit etwas weniger als 60 Prozent des vieljährigen Mittelwertes gemessen. Bis auf den Jänner 2015 ergaben sich an der Thaya im Waldviertel, in allen Monaten unterdurchschnittliche Mittelwerte. In den Monaten Juli und August fehlten hier mehr als 80 Prozent auf den Vergleichswert der Reihe 1981 bis 2010.

Klimawandel und Trockenperioden

Eine aktuelle Studie der ZAMG (Abteilung für Klimaforschung) zeigt auf, dass der Sommer 2015 den Szenarien globaler Klimamodelle entspricht, die für die nächsten Jahrzehnte einen trockeneren Süden Europas und einen feuchteren Norden Europas erwarten lassen.

Das untersuchte Gebiet umfasst den erweiterten Alpenraum und erstreckt sich von Süd-Deutschland bis Nord-Italien sowie von Ost-Frankreich bis West-Ungarn. In den Sommermonaten Juni, Juli, August zeigen die Klimamodelle, dass extrem trockene Phasen zunehmen werden. Der Grund dafür ist in den Alpen und nördlich davon vor allem, dass es im Sommer immer weniger regnen wird. Südlich der Alpen bis zum Mittelmeer, spielt dagegen die steigende Temperatur die wichtigste Rolle. Hier regnet es im Sommer ohnehin wenig, aber in einem wärmeren Klima verdunstet das im Boden gespeicherte Wasser deutlich stärker (ZAMG).

Veröffentlicht am 01.02.2018, Wasserhaushalt (Abteilung I/3)