Die Wassermengen - Bilanz Österreichs

Die Basis für die Bewirtschaftung der Wasserressourcen ist die Wasserbilanz. Die Hauptkomponenten sind der Niederschlag, der Abfluss und die Verdunstung. 

Österreich - wasserreich mit regional großen Unterschieden

Auch in einem wasserreichen Land, wie Österreich gibt es regional unterschiedliche Niederschlagsmengen. So beträgt der mittlere Jahresniederschlag im vorarlbergischen Rheingebiet etwa 1950 mm und sinkt im Nordosten Österreichs bis auf 600 mm und darunter ab. Die auf die jeweilige Fläche der Einzugsgebiete bezogenen Werte des oberirdischen Abflusses zeigen mit circa 1500 mm in den Alpen und 120 mm im östlichen Flachland noch größerer Unterschiede. Der Grund dafür ist die große klimatische und orographische Vielfalt unseres Landes.

Mehr als ein Drittel der Bevölkerung Österreichs lebt in größeren Städten und Siedlungsgebieten, die - vor allem im Osten Österreichs - ein unter dem landesweiten Mittelwert liegendes Niederschlagsdargebot aufweisen. Diese Diskrepanz stellte vor allem die Trinkwasserversorgung in den 1960iger Jahren vor eine große Herausforderung, die durch überregionale Wassernetze gelöst werden konnte.

Hydrographische Daten - die Grundlage der Wasserbilanz!

Im Jahre 1965 erstellte Professor Dr. Werner Kresser - er war damals Leiter der Hydrographie Österreichs - erstmals eine zusammenhängende Wasserbilanz für Österreich. Er verwendete dazu die Daten des hydrographischen Messnetzes der Jahre 1951 bis 1960, vom Rheingebiet im Westen, bis zur Drau im Süden Österreichs. Seine Untersuchungen zeigten, wie unterschiedlich die Wasserbilanz in den einzelnen Flussgebieten und im Jahresverlauf sein kann. Kresser war es auch, der 1994, anlässlich der Feierlichkeiten zum 100jährigen Bestehen der Hydrographie Österreichs, die Wasserbilanz auf Basis der Daten von 1951 bis 1990 aktualisierte.

Zehn Jahre später wurde für den Hydrologischen Atlas Österreichs (HAÖ) eine Wasserbilanz mit einem Wasserbilanzmodell in einer sehr hohen räumlichen Auflösung und den Daten bis zum Jahr 2000 gerechnet.

Vergleicht man die Hauptkomponenten Niederschlag, Abfluss und Verdunstung der auf das Bundesgebiet zusammengefassten Ergebnisse der HAÖ-Bilanz, mit den Ergebnissen von Kresser, zeigt sich eine sehr gute Übereinstimmung.

Wasserdargebot

Die derzeit aktuellen Zahlen beziehen sich auf den Zeitabschnitt 1986 bis 2015 und dokumentieren den Mittelwert dieser drei Jahrzehnte.

Der Jahresniederschlag bezogen auf die Fläche Österreichs beträgt demnach circa 1190 mm und für den Abfluss circa 600 mm. Die daraus abgeleitete Kenngröße für die jährliche Verdunstung beträgt 514 mm. Die Werte der Verdunstung ergeben sich aus der Wasserhaushaltsgleichung entsprechend der Differenz aus dem gemessenen Niederschlag und dem ermittelten Abfluss für die einzelnen Gebiete. Da vom umliegenden Ausland circa 349 mm pro Jahr zufließen, resultiert ein Gesamtabfluss aus Österreich von circa 1025 mm pro Jahr (siehe auch Bild 1 der Bildergalerie). Die Abbildung 2 und die Tabelle in Bild 3 der Bildergalerie zeigt die zu den Angaben in mm entsprechenden Werte in der Dimension km³.

Zur besseren Vorstellung sei angemerkt, dass ein Millimeter Wasser auf die Fläche Österreichs verteilt, der Wassermenge von 83,9 Mio Wasser entsprechen, dass ist jene Menge Wasser, die im Mittel an einem halben Tag durch die Donau bei Wien fließt. Diese Durchschnittswerte schwanken in den einzelnen Flussgebieten außerordentlich stark.

Addiert man zum Niederschlag die jährlich nach Österreich fließende Wassermenge und vermindert diese Summe um die Verdunstung, so errechnet man ein theoretisch nutzbares Dargebot von etwas mehr als 86 km³ (Mrd. ) Wasser.

Wassergebrauch

Eine ebenfalls von Kresser durchgeführte Schätzung der gesamten Wassernutzung (Haushalt und Kleingewerbe, Industrie und Landwirtschaft) beträgt circa 2,5 km³. Der Kühlmittelgebrauch der kalorischen Kraftwerke ist darin nicht enthalten. Diese Zahlen zeigen, dass nur circa drei Prozent der heimischen Wasservorräte jährlich tatsächlich gebraucht werden. Von diesen 2,5 Milliarden Wasser entfallen fast zwei Drittel auf die Industrie mit Wasser aus eigenen Brunnen, oder Oberflächenwasser und 35 Prozent auf die Trinkwasserversorgung - einschließlich der mitversorgten Gewerbe- und Industriebetriebe.

Die Landwirtschaft ist mit rund sieben Prozent der kleinste Verbraucher, da Österreich kein ausgesprochenes Bewässerungsland ist. Wie wichtig Wasser für die erneuerbare Energiegewinnung ist zeigt, dass rund 65 Prozent des heimischen Strombedarfs durch die Wasserkraft erzeugt werden.

Veröffentlicht am 02.12.2019, Wasserhaushalt (Abteilung I/3)