Schwebstoffe im Fließgewässer – 2. Auflage des Leitfadens zur Erfassung des Schwebstofftransportes

Die zweite Auflage berücksichtigt die bisher gewonnenen Erfahrungen mit der Messmethode und den eingesetzten Messgeräten.

Wozu werden Schwebstoffe gemessen?

Im Zuge des Klimawandels werden in Österreich in den nächsten Jahrzehnten durch die verstärkte Gletscherschmelze und das Auftauen der Permafrostböden, größere Mengen an Schwebstoffen freigesetzt. Neben der langfristigen, natürlichen Entwicklung des Feststoffkreislaufes, welcher unter anderem die Bildung von fruchtbaren Böden beinhaltet, treten dadurch zusätzlich, relativ kurzfristig Veränderungen im Schwebstoffhaushalt ein. Unabhängig vom Klimawandel verändern menschliche Eingriffe, wie flussbauliche Maßnahmen, Wasserkraftwerke und Speicher, aber auch die zunehmende Bodenversiegelung die Menge und die Zusammensetzung der Schwebstoffe in unseren Fließgewässern. Unwetterereignisse in den letzten Jahren zeigen auch, dass durch schwebstoffhaltiges Wasser die Hochwasserschäden deutlich zunehmen und Verlandungen das Überschwemmungsrisiko erhöhen. Auch der Nährstoff- und Schadstofftransport ist stark an den Schwebstofftransport gekoppelt, wodurch der ökologische Zustand eines Gewässers beeinflusst werden kann. Um in allen wasserwirtschaftlichen Planungen das Thema Schwebstoffe berücksichtigen zu können, sind kontinuierlich erhobene Messdaten von großer Bedeutung.

Daher betreibt die Hydrographie Österreichs ein Messnetz zur Erfassung der Schwebstoffe in unseren Fließgewässern. Die gewonnenen Daten werden im Hydrographischen Jahrbuch veröffentlicht. Daten zum Download sind auf eHYD verfügbar.

Mit den Messungen an den Messstellen des Basisnetzes sollen folgende Ziele erreicht werden:

  • Die Erfassung der Einträge nach und der Austräge aus Österreich (Grenzgewässer).
  • Die Erfassung der zeitlichen Verteilung und der Bilanz des Schwebstofftransportes in ausgewählten Gewässerabschnitten.
  • Die Erfassung der Einträge in ausgewählte Seen.
  • Die Abschätzung von Erosionsraten beziehungsweise des Schwebstoffabtrages in repräsentativen Einzugsgebieten.
  • Die Erstellung langfristiger Monitoringreihen für die Abschätzung von Klimaeinflüssen auf Erosions- und Transportprozesse.
  • Die Erfassung von Daten für wasserwirtschaftliche, wasserbauliche und ökologische Problemstellungen.
  • Ermöglichung von Prozess-, Ursachen- und Wirkungsanalysen.

Was ist das Besondere an der österreichischen Schwebstoffmessung?

Die zeitliche und räumliche Variabilität der Schwebstoffführung ist eine besondere Herausforderung der Schwebstoffmessung und betrifft alle Arbeitsschritte von der Probenentnahme bis hin zur Ermittlung des kontinuierlichen Schwebstoffverlaufes an einer Messstelle. Durch die geschickte Kombination von drei unterschiedlichen Messmethoden (kontinuierliche Trübungsmessung, Kalibrierprobenentnahme in Sondennähe, verteilte Probenentnahme über das Querprofil) gelingt es kontinuierliche Schwebstoffkonzentrationen, kontinuierlichen Schwebstofftransport und Schwebstofffrachten an den ausgewählten Gewässerabschnitten zu erheben.

Daten müssen vergleichbar sein.

Um diese Messungen einheitlich, vergleichbar und mit hoher Aussagekraft durchführen und auswerten zu können, wurde bereits eine erste Fassung eines Leitfadens erstellt. Die nun vorliegende 2. Auflage berücksichtigt die bisher gewonnenen Erfahrungen mit der Messmethode, den eingesetzten Messgeräten und der Qualitätssicherung der Daten. Wesentliche Überarbeitungen und Ergänzungen wurden in Kapitel 4 „Messanleitung“ und 5 „Auswertung und Interpretation der Daten“ sowie im Anhang vorgenommen. Das Kapitel 6 ist neu und beschäftigt sich mit Fragen der Messunsicherheit.

Der in der 2. Auflage, 2017 veröffentlichte Leitfaden zur Erfassung des quantitativen Schwebstofftransportes gibt eine genaue, für Basismessstellen verbindliche Anleitung betreffend die Methodik, die Monitoringstrategie, die Auswertung und Interpretation der Daten. Damit werden qualitätsgesicherte und bundesweit einheitlich erhobene Daten im Hydrographischen Jahrbuch veröffentlicht und für die Bearbeitung der vielfältigen Problemstellungen zur Verfügung gestellt.

 

Veröffentlicht am 10.07.2019, Wasserhaushalt (Abteilung I/4)