Auf den trockenen Frühling folgte ein nasser Sommer 2020

Bereits im Frühling gab es zahlreiche Meldungen von trocken gefallene Brunnen, von Wassermangel in Regionen mit lokaler Trinkwasserversorgung und Sorgen der Land- und Forstwirtschaft vor einem niederschlagsarmen und heißen Sommer. Es waren aber Unwetter, mit Hagel und Sturm, Überschwemmungen und Muren die den Sommer 2020 beherrschten.

Die Furcht vor einem heißen und trockenen Sommer.

Bereits im Frühjahr 2020 sanken die Grundwasserspiegel von Salzburg ostwärts und im Süden von Österreich. Zwei Drittel der hydrographischen Messstellen an Fließgewässern befanden sich Anfang April 2020 bereits im Niederwasserbereich. Der Wasserstand des Neusiedler Sees und viele Grundwasserstände im Flach- und Hügelland lagen unter dem vieljährigen Mittelwert. Anfang Mai war vor allem in der Landwirtschaft die Sorge groß. Kommt wieder ein heißer und trockener Sommer, dann wurden Trockenschäden mit Ernteausfällen und Probleme bei der Trinkwasserversorgung befürchtet.

Nicht die Trockenheit war das Problem im Sommer 2020.

Zum Glück entwickelte sich das Wettergeschehen ab Mitte Mai 2020 etwas anders als in den extrem trockenen Sommern 2011, 2015 und 2018. Noch rechtzeitig für die Vegetation endete in vielen Gebieten im Mai die Trockenperiode mit durchschnittlicher Niederschlagssumme. Ausreichend Niederschlag gab es dann im Juni und August in ganz Österreich. Nicht zu wenig Wasser, sondern Unwetter mit zu viel Wasser verursachten Schäden in der Landwirtschaft, an Straßen und in Siedlungsgebieten.

Der Regen im Sommer reichte aber nicht um alle Grundwassergebiete ausreichend zu versorgen. Wie die Übersicht der aktuellen Grundwasserstände in Österreich (www.ehyd.gv.at Karte: Aktuelle Daten > Grundwasser Aktuell) zeigt, befinden sich zum Herbstbeginn 2020 vor allem im oberösterreichischen Inn- und Traunviertel, in der Buckligen Welt in Niederösterreich und im nördlichen Burgenland weit unter den Mittelwerten. An manchen Messstellen sogar unter den niedersten bisher gemessenen Grundwasserständen. Auch der Wasserstand des Neusiedler Sees befindet sich nur wenig über den niedersten Werten seit 1966. Keine guten Aussichten für eine ausgeglichene Wasserbilanz bei einem trockenen Spätsommer und Herbst 2020.

Erkenntnisse im Zusammenhang mit dem Klimawandel

Zwar war der heurige Sommer relativ feucht, die Lufttemperatur jedoch lag immer über dem Durchschnitt.

Unbestritten ist, dass sich die Lufttemperatur durch den anthropogen verursachten Klimawandel seit Mitte der 1980er Jahren relativ rasch erhöht hat. Die Vegetationsperiode ist länger und damit hat sich auch die Verdunstung im Frühling und Sommer um circa 15 Prozent erhöht. Perioden mit unterdurchschnittlichem Niederschlag, ungünstiger jahreszeitlicher Verteilung und Winterniederschläge die immer öfter als Regen fallen, reduzieren die Grundwasserneubildung.

Bei gleichbleibenden oder erhöhten Entnahmen der Wassernutzung (Trinkwasser und Bewässerung) wird das Grundwasservolumen dort abnehmen, wo das nachhaltig verfügbare Dargebot bereits ausgenutzt wurde.

Seit 1950 war das Jahr 1971 jenes mit der geringsten Niederschlagssumme, an zweiter Stelle kommt 2003 mit dem Jahrhundertsommer, dann 2011, 2015 und 2018, ebenfalls Jahre mit längeren sommerlichen Hitzeperioden. Es ist zu erwarten, das Trockenjahre in Zukunft häufiger auftreten werden.

Beobachten und Datenanalyse – eine Aufgabe der Hydrographie.

Die Hydrographie Österreichs betreibt ein umfangreiches gewässerkundliches Messnetz zur Beobachtung der Wasserkreislaufkomponenten Niederschlag, Abfluss und Grundwasservolumen. Von vielen Messstellen werden die Daten fernübertragen. Sowohl aktuelle Daten als auch geprüfte vieljährige Datenreihen, veröffentlicht das BMLRT auf der Internetseite eHYD.

Das Projekt WETRAX+ beschäftigt sich unter anderem mit der Frage welche Wetterlagen in der Vergangenheit im Donauraum Trockenperioden verursachten. Das Ergebnis dieser Analyse wird mit den Klimamodellen der Zukunft kombiniert. Ein Teilziel dieses vom BMLRT mitfinanzierten und begleiteten Projekts ist, belastbare Aussagen zum Thema Klimawandel, Auftrittswahrscheinlichkeit von Trockenperioden und deren Dauer, für den Zeitraum bis 2060 zu erhalten.

Trinkwasserversorgung in Österreich ist noch sicher.

Die österreichischen Gemeinden und Wasserversorger waren bereits im Trockenjahr 2003 in einigen Regionen mit kritischen Grundwasserständen konfrontiert. Seit damals wurden laufend Maßnahmen gesetzt, die maßgeblich zur Versorgungssicherheit der Bevölkerung beigetragen haben und sich im Trockenjahr 2015 bewährten. Zu den erfolgreichen Maßnahmen zählten unter anderem der Zusammenschluss kleinerer Versorgungseinheiten zu größeren, teils überregionalen Netzen oder die Erschließung zusätzlicher unabhängiger Quellen und Brunnen. Besitzer von Liegenschaften mit eigenen Hausbrunnen, die bislang nicht an öffentliche Versorgungsnetze angeschlossen werden konnten, spüren vermehrt die Auswirkungen sinkender Grundwasserstände. Im Großen und Ganzen kann jedoch die Trinkwasserversorgung in Österreich als gesichert angesehen werden.

Die Landwirtschaft verstärkt die Bewässerung

Schwieriger gestaltet sich die Situation für die Landwirtschaft, wo längere Trockenperioden direkte Auswirkungen auf die Erträge, einerseits durch geringeres Pflanzenwachstum und andererseits durch höhere Schädlingsanfälligkeit, haben. Fehlende Niederschläge können nur durch aufwändige Bewässerungen ausgeglichen werden, was bislang vorrangig in Einflussbereichen größerer Flüsse - etwa entlang der Donau im Marchfeld ‑ für Sonderkulturen wie Gemüse und im Weinbau Anwendung fand. Zunehmende Ertragseinbußen lassen jedoch auch in landwirtschaftlichen Gebieten mit geringer Wasserverfügbarkeit, wie im niederösterreichischen Weinviertel oder in der Südsteiermark den Ruf nach Bewässerung, Wasserspeicherung und Wasserrückhalt in der Region laut werden.

Grundwasser – versteckter Schatz und erneuerbare Ressource

Generell greifen wir in Österreich bei vielen Wassernutzungen, wie Trinkwasserversorgung, landwirtschaftliche Bewässerung oder dem Industriewasserbedarf zumeist auf unsere Grundwasserressourcen zurück. Das hat einen guten Grund. Denn Grundwasser ist im Gegensatz zu Oberflächengewässern besser vor möglichen Verunreinigungen geschützt und oft auch kostengünstiger zu gewinnen. Grundwasser kann fast überall in Österreich ohne weitergehende Aufbereitung als Trinkwasser genutzt werden. Allerdings ist Grundwasser nicht überall gleich gut verfügbar. Das hängt in erster Linie mit dem geologischen Hintergrund zusammen. Grundwasser liegt in sehr ergiebigen Sedimenten ehemaliger Flussläufe als Porengrundwasserkörper vor, in Form von schwierig erschrotbaren Vorkommen in Gesteinshohlräumen wie etwa der Böhmischen Masse oder im Karstgestein des zentralen Alpenraums, wo es oft als Quelle natürlich zutage tritt. Die Erneuerungsrate der Grundwasservorkommen hängt in erster Linie von der Niederschlagsmenge in einer Region ab, aber auch von der Geologie, den Bodenverhältnissen, der regionalen Klimatologie und den Entnahmen. Durch den Einfluss dieser unterschiedlichen Rahmenbedingungen dringt nur ein geringer Anteil des Niederschlags bis ins Grundwasser vor. Ein Großteil fließt oberirdisch ab oder verdunstet. Um eine nachhaltige Nutzung der vorhandenen Grundwasserressourcen sicherzustellen, dürfen die mittleren jährlichen Entnahmen langfristig das vorhandene nutzbare Grundwasserdargebot nicht überschreiten.

Wasserschatz Österreichs – Grundlagen für nachhaltige Nutzung des Grundwassers

Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus hat eine Studie in Auftrag gegeben, um den aktuellen und – unter Berücksichtigung der Auswirkungen des Klimawandels – den künftigen Ausnutzungsgrad der österreichischen Grundwasserressourcen flächendeckend darzustellen. Die Ergebnisse der Studie finden Eingang in den Nationalen Gewässerbewirtschaftungsplan 2021, das übergeordnete wasserwirtschaftliche Planungsinstrument, der sich erstmal dezidiert mit der Bewirtschaftungsfrage des Wassermengenmanagements auseinandersetzen wird.

Damit wird ein wesentlicher Beitrag zur langfristigen Versorgungssicherheit der Bevölkerung mit ausreichend qualitativ hochwertigem Grundwasser geleistet.

Veröffentlicht am 14.09.2020, Wasserhaushalt (Abteilung I/3)