Planungen für Hochwasserschutz und Ökologie

Die ökologische Ausrichtung des Hochwasserschutzes ist aktueller denn je. Gewässerentwicklungs- und Risikomanagementkonzepte der Bundeswasserbauverwaltung sollen die Planungsgrundlagen dazu liefern..

Unsere Bäche und Flüsse unterliegen einer Vielzahl von Belastungen durch unterschiedliche Nutzungen. Insgesamt wiesen 2018 nur ca. 40 % der Fließgewässer einen ökologisch zufriedenstellenden Zustand auf, mehr als 60 % verfehlen die Umweltziele der Wasserrahmenrichtlinie. Ursache dafür sind überwiegend Eingriffe in die Gewässerstrukturen und Abflussverhältnisse durch Wasserkraftwerke oder für den Hochwasserschutz.

Im Lichte der Umsetzung des Nationalen Gewässerbewirtschaftungsplans (NGP) ist die ökologische Ausrichtung des Wasserbaues aktueller denn je. Bäche und Flüsse sollen natürliche Lebensräume in einer vielfältigen Kulturlandschaft sein. Um das von der Wasserrahmenrichtlinie vorgegebene Ziel eines guten ökologischen Zustand bzw. guten ökologischen Potentials für alle Gewässer in Österreich zu erreichen müssen die Grundsätze des ökologischen Hochwasserschutzes bei allen Planungen und Maßnahmen der Bundeswasserbauverwaltung konsequent umgesetzt werden.

Natürliche Gewässerentwicklung bedeutet: mehr Raum für die Flüsse

Die Siedlungs- und Wirtschaftsentwicklung hat in den letzten Jahrzehnten zu einer starken Ausweitung der bebauten Gebiete in ganz Österreich geführt. Auch viele Flächen an unseren Fließgewässern, in Überflutungsgebieten und Gefahrenzonen, wurden verbaut. Ein Problem für den Hochwasserschutz, da diese Räume für einen gesicherten Abfluss des Hochwassers notwendig gebraucht werden. Die Hochwasserereignisse der letzten Jahre haben uns deutlich vor Augen geführt, welches Schadensausmaß daraus resultiert, und, dass der Hochwasserschutz mit technischen Maßnahmen allein nicht zu gewährleisten ist.

Deshalb setzt der moderne Hochwasserschutz noch stärker auf vorbeugende Maßnahmen. Und das bedeutet: Den Flüssen jenen Raum in der freien Landschaft geben, den sie für den Abfluss und den Rückhalt von Hochwässern brauchen. Die noch verbliebenen Hochwasserabflussgebiete und Retentionsräume werden künftig vom Schutzwasserbau gemeinsam mit der Raumplanung noch konsequenter als bisher von höherwertigen Nutzungen frei zu halten sein.

Den Flüssen mehr Raum zu geben, bringt jedenfalls auch Vorteile für die Ökologie: Schotterbänke und Steilufer, begleitende Ufergehölze und Auwälder sind wesentliche Elemente von strukturreichen, ökologisch intakten Flüssen. Unter Berücksichtigung eines angemessenen Hochwasserschutzes für die Anrainer wird daher versucht, auch bei bestehenden Hochwasserschutzanlagen einen guten ökologischen Gewässerzustand zu erreichen. Auch die Durchgängigkeit der Fließgewässer für Fische und andere Wasserlebewesen soll verbessert werden.

Das neue GE-RM-Konzept

Um die Ziele des Nationalen Gewässerbewirtschaftungsplans (NGP) mit jenen des Nationalen Hochwasserrisikomanagementplans (RMP) abstimmen zu können und auch andere Nutzungen und Anforderungen an das Gewässer zu berücksichtigen, hat die Bundeswasserbauverwaltung das Gewässerentwicklungs- und Risikomanagementkonzept (GE-RM) als übergeordnete Planungsgrundlage in Flusseinzugsgebieten entwickelt, das folgende Planungsschritte umfasst:

  • Vorstudie: Konzeption der Planungsschritte, Abgrenzung der Bearbeitungsgebiete, Festlegung der Arbeitspakete;
  • Bestandsaufnahmen: Erhebung des Ist-Zustands, Darstellung und Analyse der wasserwirtschaftlichen und gewässerökologischen Verhältnisse;
  • Zieldefinitionen: Formulierung eines integrativen Leitbildes auf Basis von sektoralen Zielen für Hochwasserschutz und Ökologie, abgestimmt mit den Zielsetzungen von NGP und RMP;
  • Maßnahmenkonzept: Festlegung von Maßnahmen und Maßnahmenkombinationen, Handlungsschwerpunkten und Prioritäten, in Abstimmung mit den für NGP und RMP zuständigen Stellen;

Durch begleitende Öffentlichkeitsarbeit wird die Akzeptanz für die Planungen in der betroffenen Region verbessert. Die Zusammenarbeit zwischen den zuständigen Fach- und Verwaltungsbereichen wird gestärkt und führt zu Synergien bei der Umsetzung von Maßnahmen. Ein fachlicher Leitfaden für die Gewässerentwicklungs- und Risikomanagementkonzepte (GE-RM-Leitfaden) steht zum Download zur Verfügung.

Ausblick

Mit dem integrierten LIFE Projekt “LIFE IP IRIS AUSTRIA – Integrated River Solutions in Austria“ www.bmlrt.gv.at/wasser/wasser-eu-international/life-natur/life-projekte_aktuell/IRIS-AUSTRIA.html werden GE-RM-Konzepte an sieben Flüssen in Österreich in den nächsten Jahren erstellt und umgesetzt. Im LIFE-IRIS Projekt werden Planungen und Maßnahmen mit den Fachbereichen Gewässerökologie, Umwelt-  und Hochwasserschutz im Sinne eines integrativen Flussraummanagements an diesen Flüssen intensiv und konkret abgestimmt und schließlich auch die Maßnahmenumsetzung evaluiert werden.

Auf diesen Erfahrungen in der Praxis aufbauend, soll der GE-RM-Leitfaden in den nächsten Jahren weiterentwickelt und verbessert werden.

Veröffentlicht am 01.04.2020, Hochwasserrisikomanagement (Abteilung I/6)