Interview mit DI Dr. Peter Strauss – Neuer Leiter des Bundesamts für Wasserwirtschaft

Herr Strauss, Sie werden der neue Direktor des Bundesamts für Wasserwirtschaft, welche ersten Reaktionen hat das bei Ihnen ausgelöst, als sie von der Bestellung erfahren haben? ...

Zuerst habe ich mich einmal sehr gefreut, ich sehe mit dieser Position aber natürlich auch eine sehr große Verantwortung verbunden, und habe ja weiterhin auch noch ein Institut zu leiten. Aber man wächst ja bekanntlich mit der Aufgabe und als natürlicher Optimist hat im Wechselspiel der Gefühle dann doch die Freude bei Weitem überwogen.

Wofür steht das Bundesamt für Wasserwirtschaft heute – wie können wir uns die Arbeitsschwerpunkt vorstellen?

Das Bundesamt für Wasserwirtschaft ist ja das Dach – wenn man so will – von drei Instituten, die sehr unterschiedliche fachliche Schwerpunkte haben.

Das Institut für Gewässerökologie und Fischereiwirtschaft bearbeitet fisch- und gewässerökologische Belange der Wasserwirtschaft. Seine Kernaufgaben liegen in der Erhebung, Bewertung und Erhaltung des fischökologischen Zustandes der österreichischen Gewässer, der Amtssachverständigentätigkeit und der Aquakultur. Ein weiterer Schwerpunkt ist liegt bei der fischereifachlichen Aus- und Weiterbildung.

Das Institut für Kulturtechnik und Bodenwasserhaushalt arbeitet nach dem Motto „Bodenschutz = Wasserschutz“ um unsere Böden als Filter und Speicher für unser Wasser zu erhalten und zu verbessern, damit auch in Zukunft ausreichend Grund- und Oberflächenwasser in ausgezeichneter Qualität zur Verfügung stehen.

Das Institut für Wasserbau und hydrometrische Prüfung versteht sich als das Kompetenzzentrum für den Hochwasserschutz mittels ökologisch und ökonomisch orientiertem Wasserbau, aber auch als österreichischer Partner bei der Kalibrierung von Fließgeschwindigkeitsmessgeräten für die Wasserwirtschaft.

Sie sehen, die Aufgabenstellungen der Institute sind äußerst umfangreich und heterogen und es wird eine besondere Herausforderung sein, bei all diesen unterschiedlichen Aktivitäten das gemeinsame Dach zu festigen.

Mit Ihrer Bestellung kommt sicher frischer Wind in diese Organisation – wie wollen Sie das angehen?

Ich würde mich eher als ausgleichender Charaktertyp sehen. Ich denke, dass das eine Eigenschaft ist, die in einem Bundesamt mit vielen heterogenen Partikularinteressen günstig ist, speziell in unserem Fall. Als „Dach“ des Hauses Bundesamt für Wasserwirtschaft sehe die Aufgaben der Direktion vor allem als „Ermöglicher“ und nicht als „Verhinderer“ von Innovationen. Das klingt zwar locker flockig dahingesagt, aber als langjähriger Leiter eines Institutes weiß ich aus eigener Erfahrung, dass die dauerhafte Umsetzung von Innovationen im Bundesdienst das Bohren sehr dicker Bretter ist. Mir ist bewusst, dass diese Dinge nur dann erfolgreich sind, wenn sie gemeinsam entwickelt und umgesetzt werden. In diesem Sinne möchte ich jetzt schon meine Hilfe beim Bohren dieser Bretter an unsere Institute herantragen. Ich war und bin immer offen für neue Ideen, Vorschläge, Innovationsgedanken gewesen und freue mich schon auf diesbezügliche Gedanken und Vorschläge der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Sind neue fachliche Schwerpunkt in der angewandten Wasserforschung durch die Institute zu erwarten oder werden Sie Bewährtes fortsetzen?

Zunächst einmal möchte ich festhalten, dass das Bundesamt für Wasserwirtschaft in den von ihm bearbeiteten Bereichen hervorragende Arbeit geleistet hat und leistet. Das wird uns allgemein von unseren Auftraggeberinnen und Auftraggebern, Geschäfts- und Kooperationspartnerinnen und -partnern – und dazu zähle ich vor allem auch die Kolleginnen und Kollegen in unserem Ministerium – so kommuniziert. Das wird sich auch in Zukunft nicht ändern, weil ich aus langjähriger Zusammenarbeit mit den verschiedensten Abteilungen und Instituten unseres Bundesamtes weiß, wie hochmotiviert und kompetent unsere Leute sind. Derzeit sehe ich hier also keinen Handlungsbedarf, aber natürlich – Pantha Rei, alles fließt – und so wird es auch mit Arbeitsschwerpunkten im BAW sein. Wenn sich aus verschiedenen Gründen die Notwendigkeit von Anpassungen ergeben sollte, werden wir das gemeinsam sicher erfolgreich bewerkstelligen.

Ein bekannter Erfolgsfaktor für Unternehmen und öffentliche Einrichtungen sind motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – haben Sie schon erste Ideen für die Teamführung, zumal Ihre Teams ja an unterschiedlichen Orten verstreut sind, und wie wollen Sie zu Höchstleistungen anspornen?

Für einen ganz wichtigen Schlüssel einer erfolgreichen Zusammenarbeit unter dem Dach BAW halte ich eine Intensivierung der Kommunikation und hier sehe ich mich auch in der Pflicht. Dies betrifft sowohl die Kommunikation zwischen den Instituten als auch den Transport unseres Wissens, aber auch unserer Bedürfnisse in das Zentralhaus nach Wien. Durch unsere dezentrale Lage, verstreut in halb Österreich ist hier natürlich ein besonderer Aufwand von Nöten und diese Aufgabe wird durch die gegenwärtige Situation mit Covid-19 nicht gerade erleichtert. Wir haben zum Beispiel für den Herbst dieses Jahres ein mehrtägiges Treffen des gesamten Bundesamtes geplant, es wird sich weisen, ob diese Veranstaltung wie geplant stattfinden kann, oder ob sie verschoben werden muss – stattfinden wird sie jedenfalls. Wichtig ist mir, dass einerseits ein klares Bekenntnis zu einem gemeinsamen Team vorhanden ist, eine „Corporate Identity“, wenn man so will, und andererseits auch „Leadership“, also die Fähigkeit und auch Möglichkeit zu führen. Beides sind große Brocken und werden mir wohl viel Energie abverlangen. Wenn Sie meine derzeitigen Kolleginnen und Kollegen nach meiner Arbeitsweise fragen, werden sie jedenfalls vermutlich eher nicht die Antwort „sehr konventionell“ bekommen.

Noch eine persönliche Frage zum Schluss – sie sind direkt an der Donau aufgewachsen und leben auch heute noch an der Donau, sind sie ein „Kind der Donau“ und wie würden Sie Ihren persönlichen Bezug zum Thema Wasser beschreiben?

Flüsse sind seit jeher die Zentren des menschlichen Lebens. Wasser hat aber im Besonderen mein Leben sicherlich von Kindestagen an speziell geprägt. Ich bin ja direkt im Mündungsbereich des Flusses Erlauf in die Donau aufgewachsen und für mich war vor allem die Erlauf ein toller Spielplatz, den wir Kinder im Sommer praktisch durchgehend „bewohnt“ haben um zu baden, verschiedenste Arten von Dämmen und Deichen zu konstruieren und natürlich auch Fische zu fangen – unser Unrechtsbewusstsein als Kinder war diesbezüglich recht wenig ausgeprägt. Deswegen würde ich mich eher als Kind der Erlauf bezeichnen. Die Donau war und ist noch immer ein wesentlicher Teil meines Lebens, heute nutze ich mit meiner Familie vor allem die tollen Möglichkeiten, die uns das Radfahren im Donautal bietet, inklusive häufigen Besuchen in der nahen Wachau und Verkostung diverser landwirtschaftlicher Produkte.

Interview: Mag.a Susanne Brandstetter

Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus, Sektion I - Wasserwirtschaft

 

Veröffentlicht am 29.04.2020, Nationale und internationale Wasserwirtschaft (Abteilung I/2)