LIFE Lech – Dynamic River System Lech

Großflächige Schotterbänke und intakte Wildflussabschnitte zeichnen den Tiroler Lech sowie die gemeinsame Grenzstrecke mit Deutschland aus. Im Rahmen des LIFE-Projektes werden in den kommenden Jahren elf flussbauliche Maßnahmen und verschiedene Artenschutzmaßnahmen durchgeführt.

Der Tiroler Lech war bereits in den Jahren 2001 bis 2007 Schauplatz des erfolgreichen LIFE Projektes "Tiroler Lech – Wild river landscape of the Tyrolean Lech".

Projektraum: Tirol
Projektkoordinator: Bundesabauwasserbauverwaltung Tirol, Baubezirksamt Reutte
Projektpartner: Wasserwirtschaftsamt Kempten, Deutschland; Amt der Tiroler Landesregierung, Abt. Umweltschutz, Österreich.
Projektdauer: 1. September 2016 bis 31. Dezember 2021
Gesamtprojektkosten: 6.093.220,- € (ca. 60 % EU-Zuschuss)
Projektnummer:  LIFE15 NAT/AT/000167
 

Das Projekt
Großflächige Schotterbänke und intakte Wildflussabschnitte zeichnen den Tiroler Lech und die gemeinsame Grenzstrecke mit Deutschland aus. Im Rahmen des LIFE-Projektes werden Lebensräume wiederhergestellt und Lebensräume  für Pflanzen und Tiere verbessert. Auch sind Maßnahmen zur Besucherlenkung und die Wissensvermittlung über die sensiblen Lebensräume und ihrer Bewohner von großer Bedeutung.

 
Ziele

Ziel des Projekts LIFE Lech ist es, die natürliche Dynamik des Flusses und seinen angrenzenden Auwäldern mit ihren typischen Pflanzen- und Tierarten zu erhalten. Ein besonderes Augenmerk soll auf die dynamisch geprägten Kiesbankflächen und Pionierstandorte gelegt werden, deren Anzahl aufgrund flussbaulicher Maßnahmen während des 20. Jahrhunderts abgenommen hat. Um die natürliche Dynamik des Flusses wiederherzustellen, sollen Flussverbauungen entfernt, das Flussbett verbreitert, Nebenarme angelegt und Buhnen gekürzt werden. Der Oberlauf des Tiroler Lechs sowie der Grenzverlauf auf deutschem Staatsgebiet besitzen großes Potential für die Ausbildung von Schotterbänken und Pionierhabitaten.
 

Durch das Projekt LIFE Lech können hier Lebensbedingungen geschaffen werden, die für die hochspezialisierten und gefährdeten Arten notwendig sind.
 

Gleichzeitig sollen durch die Revitalisierungsmaßnahmen die Eintiefung der Flusssohle gestoppt und der Grundwasserspiegel stabilisiert bzw. angehoben werden. Davon profitieren die Aulandschaft und Arten wie die Bileks Azurjungfer, der Steinkrebs, der Dohlenkrebs, der Kammmolch und die Koppe.

Auch die Besucherlenkung im Natura 2000-Gebiet Tiroler Lech soll verbessert werden. Zielgerichtete Informationen und stärkere Bewusstseinsbildung sollen dazu führen, dass die Brutgebiete von störungsempfindlichen Vogelarten, wie Flussuferläufer (Actitis hypoleucos) und Flussregenpfeifer (Charadrius dubius), besser geschützt werden. Gleichzeitig soll die Akzeptanz der Bevölkerung zum Natura 2000-Gebiet Tiroler Lech gestärkt werden.


Maßnahmen 

Im Rahmen des Projekts LIFE Lech werden elf flussbauliche Maßnahmen und verschiedene Artenschutzmaßnahmen am Oberlauf des Tiroler Lechs und im Grenzverlauf auf deutschem Staatsgebiet umgesetzt. Die ausgewählten Maßnahmenstrecken eignen sich besonders für die Wiederherstellung dynamisch geprägter Schotterflächen und Pionierstandorte. Aber nicht nur Lebensräume für hochspezialisierte, an den Wildfluss angepasste Arten werden neu geschaffen, sondern im gleichen Zug wird als Zusatznutzen auch die Eintiefung der Flusssohle gestoppt und der Grundwasserspiegel stabilisiert bzw. angehoben. Davon profitieren die Auen, ihre Bewohner und schließlich auch der Mensch in Form eines besseren Hochwasserschutzes           
 

  • 4,3 ha Waldflächen sollen in einen dynamisch geprägten Flusslebensraum mit Kiesbänken umgewandelt werden.
  • An 11 Flussrevitalisierungsstrecken sollen insgesamt ca. 10 km ungesicherte Flussufer entstehen.
  • Zwei Habitate für den Zwergrohrkolben sollen gestaltet werden.
  • Stabile Populationen des Flussuferläufers, des Flussregenpfeifers und der Gefleckten Schnarrschrecke, sollen aufrecht erhalten bleiben.
  • Rund 25 ha dynamisch geprägte Flusslebensräume (FFH-Anhang I Lebensräume 3220, 3230, 3240) sollen als zusätzliche Habitate für Arten, die auf Kiesbänke angewiesen sind, wie Flussuferläufer, Flussregenpfeifer und Heuschrecken, wie die Gefleckte Schnarrschrecke, entstehen.
  • Zwei Gewässer mit verbesserten Lebensbedingungen für Amphibien, wie den Nördlichen Kammmolch, den Europäischen Laubfrosch und die Kreuzkröte sowie für Libellen, wie die Bileks Azurjungfer, sollen geschaffen werden.
  • Zwei  Gewässer mit verbesserten Lebensbedingungen für Kleinfische, wie die Koppe und die Elritze, sollen hergestellt werden.
  • Zwei Gewässer mit verbesserten Lebensbedingungen für Krebse, wie den Steinkrebs und den Dohlenkrebs, sollen entstehen.
  • Materialien zur Bewusstseinsbildung und Wissensvermittlung, wie zum Beispiel ein Videofilm, eine Neuauflage des Flusserlebnisführers oder ein Folder, sollen erarbeitet werden.

Alle Maßnahmen werden von einem umfangreichen Monitoringprogramm begleitet.

 

Veröffentlicht am 01.04.2020, Hochwasserrisikomanagement (Abteilung I/6)