Lebensraumsicherung für das Bodensee-Vergissmeinnicht

Das Bodensee-Vergissmeinnicht (Myosotis rehsteineri) kommt, wie sein Name schon nahe legt, fast nur am Bodensee vor.

Projektgebiet: Vorarlberg
Projektträger: Amt der Landeshauptstadt Bregenz, unter Beteiligung des Landes Vorarlberg und des BMLFUW
Dauer: 2001 bis 2005
Gesamtprojektskosten: 1,476.500 € (EU-Zuschuss: 50 %)

Fläche: 29 ha
 
Das Bodensee-Vergissmeinnicht (Myosotis rehsteineri) kommt, wie sein Name schon nahe legt, fast nur am Bodensee vor. Dort gedeiht es zusammen mit anderen selten gewordenen Vertretern der Strandlingsvegetation (Uferhahnenfuß, Strandling, Strandschmiele) auf stabilen kiesigen Flachufern in der Grenzzone zwischen Wasser und Land. Jahreszeitlich bedingte Wasserspiegelschwankungen (am Bodensee fast zwei Meter) sind überlebensnotwendig für die kleinen Pflanzen. Zur Blütezeit bei Niedrigwasser sind manche Uferbereiche mit einem hellblauen Schimmer überzogen - ein Anblick, der heute leider nur noch an zwei wenigen Orten am See zu bewundern ist. Ansonsten sind nur noch kleine Reliktstandorte übriggeblieben.

Im Bregenzer Natura-2000-Gebiet liegt der Grund für den Rückgang in den Folgeerscheinungen jahrzehntelangen Kiesabbaus: bis zu Beginn der 80er Jahre wurden im See in unmittelbarer Ufernähe große Mengen an Schotter für die Bauwirtschaft gewonnen: die vormalig zwischen 200 und 300 Meter breiten, flach geneigten Kiesufer sind seither weitgehend verschwunden. Die Erosion des verbliebenen Ufersaums brachte instabile uferparallele Kiesbänke hervor, die bei Sturmereignissen immer weiter ins Land getrieben wurden. Damit erschien das Schicksal der zarten Kiesbankflora besiegelt.

Diesem "Uferschwund" wurde durch eine sanfte Sanierungstechnik Abhilfe geleistet, die sich bereits am deutschen Seeufer erfolgreich bewährt hat: Grundprinzip der Sanierung ist die Stabilisierung des Ufers durch Einbringung einer Böschungsfußsicherung aus grobkörnigerem seetypischem Schotter im Bereich der Niedrigwasserlinie (zum Abfangen der Wellenenergie) und einer flachen Kiesverfüllung zwischen Böschungsfuß und dem ursprünglichen Ufer mit feinkörnigerem Material, welches aus dem Kieswall gewonnen wird. Die Wahl der eingesetzten Korngrößenklassen des Schotters, für Böschungsfuß und Flachufer, ist der jeweiligen Böschungsneigung und den zu erwartenden Wellenkräften angepasst.

Von insgesamt 2.600 Meter Uferlänge wurden in zwei Bauetappen bereits rund die Hälfte saniert bzw. renaturiert. Zwischenzeitlich wurden rund 2.600m Uferlänge in insgesamt drei Bauetappen saniert bzw. restauriert. Die Arbeiten wurden im Winter ohne Beeinträchtigung der sensiblen Ufervegetation durchgeführt und sind jetzt nur noch bei winterlichen Niedrigwasserständen an der etwas grobkörnigeren Uferlinie zu erkennen. Der Projektserfolg wird durch ein ökologisches und technisches Monitoring nachgewiesen.

Ein Versuch durch Teilung vermehrte Bodenseevergissmeinnichtpflanzen als Initialpflanzung in sanierte Uferabschnitte auszuwildern wurde im Frühjahr 2003 im sanierten Uferabschnitt gestartet. Die Pflanzen sind im ersten Jahr gut angewachsen und haben sich seither bestens entwickelt.
 

Im Jahr 2005 wurde ein umfangreiches Besucherleit- und Informationssystem entwickelt: Das bewährte Leitsystem aus dem Jahr 1997, bestehend aus geschwungenen Holzstelen an allen Gebietseingängen wurde durch Piktogrammstelen ergänzt, welche jeweils vor Ort über die wesentlichen Verhaltensregeln informieren. Ein Lehrpfad, samt Naturbeobachtungsplattform bringt den Besuchern die Besonderheiten des Natura-2000-Gebiets näher. Das Modular aufgebaute Infosytem "UferNatur - Naturschutzgebiet" besteht in seinen Kernelementen aus 12 Monats(post)karten die sich jeweils Natur-Besonderheiten des Gebiets widmen, die Kartenmotive werden mit mehr Information versehen in Jahreszeitenheften gefasst, jeweils zwei Saisonplakate und ganzseitige Anzeigen in den lokalen Medien runden das Mediale Paket ab. Ein Infobuch im Umfang von 48 Seiten bringt dem interessierten Laien die Lebensräume des Natura-2000-Gebiets und die Inhalte des LIFE-Natur-Projekts näher.
 
Ansprechpartner
Dipl.-Ing. Ender Gerold
Amt der Landeshauptstadt Bregenz
Umweltschutz 
Belruptstraße 1
6900 Bregenz
E-Mail: gerold.ender@bregenz.at
 

Veröffentlicht am 01.04.2020, Hochwasserrisikomanagement (Abteilung I/6)