Schütt-Dobratsch

Mit seinen bizarren Felsformationen und Blockhalden, Latschengebüschen, Schwarz- und Rotkieferwäldern sowie Laubwäldern bildet das Gebiet heute ein einzigartiges Refugium für eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten. Eine 150 Meter breite Autobahn-Grünbrücke wurde im Rahmen dieses LIFE-Projektes errichtet.

Projektgebiet: Kärnten
Projektträger: Amt der Kärntner Landesregierung, Unterabteilung 20-Naturschutz, unter Beteiligung des BMLFUW
Dauer: 2001 bis 2005
Gesamtprojektskosten: 2.027.955 € (EU-Zuschuss: 50%)
Fläche: 4.639 ha

Fläche: 4.639 ha 

Nur wenige Kilometer vom Dreiländereck mit Italien und Slowenien entfernt liegt im österreichischen Gailtal bei Arnoldstein eine der beeindruckendsten Bergsturzlandschaften des Ostalpenraums: Schütt-Dobratsch ('verschüttet' mit Fels- und Geröllmassen). Zuletzt wurde das Gebiet im Jahre 1348 von einem gewaltigen Bergsturzereignis heimgesucht. Die abgestürzten Felsmassen bedecken eine Fläche von insgesamt ca. 24 km2.
 
Mit seinen bizarren Felsformationen und Blockhalden, Latschengebüschen, Schwarz- und Rotkieferwäldern sowie Laubwäldern bildet das Gebiet heute ein einzigartiges Refugium für eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten, darunter zahlreiche wärmeliebende Organismen. Auch als Wanderschneise für die Braunbären ist das Bergsturzgebiet von zentraler Bedeutung. Nachweislich wanderten im Laufe der letzten Jahrzehnte Braunbären aus Kroatien und Slowenien durch dieses Gebiet in den österreichischen Alpenraum ein. Seither hat sich in den Alpen einen Bestand von etwa 25 bis 30 Tieren gebildet.
 
Mit dem 1984 fertiggestellten Bau eines Abschnitts der A2-Südautobahn, der das Gebiet im Süden durchschneidet, ist die weitere Einwanderung des Braunbären jedoch stark erschwert. Infolge des verringerten Genaustauschs ist damit auch die weitere Entwicklung der kleinen Alpenpopulation des Braunbären in Frage gestellt.
 
Vorrangiges Ziel des LIFE-Natur Projektes war der Bau einer 150 Meter breiten Autobahn-Grünbrücke auf Höhe des Natura-2000-Gebietes. Die Autobahn befindet sich hier in einem Einschnittsbereich, wodurch keine großen Erdbaumaßnahmen notwendig waren. Nach einer notwendig gewordenen Umplanung wegen neuer Sicherheitsvorschriften für Autobahntunnels, Probebohrungen und Ausschreibung erfolgte am 12. September 2003 der offizielle Spatenstich zur Errichtung der Grünbrücke. 
 
Aufgrund bisheriger Bärenbeobachtungen im Gebiet sowie aufgrund der Erfahrungen mit einem vergleichbaren Brückenbauwerk in Kroatien ist von einer baldigen Nutzung der Grünbrücke durch den Braunbären, und damit von einer weiteren Stärkung der Alpenpopulation dieser Art, auszugehen.
 
Ergänzt wurde das Projekt durch verschiedene Aufwertungsmaßnahmen innerhalb des Natura 2000-Gebietes, wie der Bestandsumwandlungen von Fichtenmonokulturen, der Wiederaufnahme der Nutzung botanisch wertvoller Talwiesen, der Anlage von Laichtümpeln etc.
 
Folgende Maßnahmen wurden u.a. im Rahmen des LIFE-Projektes umgesetzt: 
 

  • Naturräumliche Grundkarte und Zuweisung zu den entsprechenden im Anhang 1 der FFH-Richtlinie angeführten Vegetationstypen.
  • Digitalisierung der geologischen Karte im Maßstab 1:50.000 (Geologische Bundesversuchsanstalt) für das gesamte Natura 2000 Gebiet.
  • Imagefolders
  • Projekt-Homepage
  • Vorarbeiten (Begehungen, Erstellung von Schätzgutachten) für den Ankauf von Wald-Grundstücken zur Schaffung von naturnahen Waldbeständen.
  • Bestandesumwandlung und Rodung von Fichtenbeständen im Ausmaß von ca. 3 ha.
  • Schwend-, Schlegel- und Mäharbeiten auf verbrachten und zum Teil verbuschten botanisch wertvollen Magerwiesen im Ausmaß von insgesamt knapp 5 ha.
  • Errichtung eines Gewässers im Ausmaß von 1.000m2. Schon im ersten Jahr konnten zahlreiche Amphibien (Springfrosch, Laubfrosch, Gelbbauchunke, Teichmolch, Alpen-Kammmolch) und Libellen nachgewiesen werden.
  • Erstellung der Einreichunterlagen zur Renaturierung eines kleines Bachgerinnes im Bereich der Gladiolenwiese.
  • Begleitende Öffentlichkeitsarbeit: Durchführung von Exkursionen und Vorträgen.
  • Herausgabe des "Schüttmagazines".
  • Monitoringuntersuchungen: Vegetation, Käfer, Schmetterlinge, Libellen, Vögel, Braunbär und Luchs. Dabei gelang u.a. der Erstnachweis der FFH-Käferart Bupestris splendens (Goldstreifiger Prachtkäfer) für Österreich, der Nachweis von insgesamt 28 Libellen-Arten (das sind knapp 47% aller aus Kärnten nachgewiesenen Arten).

Am 20.02.2003, weniger als 1 km von der damals noch geplanten Grünbrücke entfernt, konnte eine Bärenfährte nachgewiesen werden!

 
Auftraggeber
Amt der Kärntner Landesregierung
Abt. 20-Uabt. Naturschutz
Wulfengasse 13
A-9020 Klagenfurt
 
Auftragnehmer
Arge NATURSCHUTZ
Mag. Klaus Krainer & DI Roland Schlegl
Gasometergasse 10
A-9020 Klagenfurt
E-Mail: office@arge-naturschutz.at
 

Veröffentlicht am 01.04.2020, Hochwasserrisikomanagement (Abteilung I/6)