Schulterschluss von 5 Ländern für - Biosphärenpark - Antrag an UNESCO in Paris

"Mur-Drau-Donau-Park“ wird weltweit erstes 5-Länder-Großschutzgebiet.

Der Naturraum:

Die 700 Flusskilometer von Mur, Drau und Donau, 930.000 Hektar naturnahe Fluss- und Auenlandschaften, beginnend an der steirischen Grenzmur bei Spielfeld, zählen zu den faszinierendsten und artenreichsten Flusslandschaften unseres Kontinents und werden oft auch als „Amazonas Europas“ betitelt. Beginnend an der steirischen Grenzmur bei Spielfeld-Straß, schlängeln sich die Flüsse Mur und Drau durch einen breiten Korridor aus Wiesen, Auwäldern, Weinbergen und malerischen Ortschaften durch die Länder Österreich, Slowenien, Kroatien und Ungarn bis hinunter nach Serbien, wo die Drau beim serbischen Naturreservat „Gornje Podunavlje“, zu Deutsch „Obere Donauniederung“, in die Donau mündet.

Dieses ehrgeizige internationale 5-Länder-UNESCO-Flussschutzgebiet ist nicht nur aufgrund seiner Naturausstattung mit dynamischen Flussauen, riesigen Überschwemmungsflächen und einer vielfältigen Tierwelt einzigartig, sondern auch deshalb, da sich bisher noch nie 5 Länder zu einem so großen, langgestreckten internationalen Schutzgebiet zusammengeschlossen haben, bisher waren es maximal 3.

Entlang von Mur und Drau bestehen bereits rund 13 nationale Schutzgebiete in den 5 Ländern – nun sollen sie erstmals über einen riesigen, grenzüberschreitenden 5-Länder-Biosphärenpark verbunden werden und durch die UNESCO-Auszeichnung eine eigene neue hochwertige Identität bekommen. Im Juni 2020 wurden von Österreich aus die Originaldokumente des 5-Länder Antrags an die UNESCO in Paris übermittelt.

Schulterschluss der 5 Länder:

Unter österreichischer Führung des Landwirtschaftsministeriums, mit Unterstützung des UNESCO-MAB-Komitees, des Landes Steiermark und des WWF Österreich ist es nach 10 Jahren Vorbereitungszeit gelungen, gemeinsam mit Österreich, Slowenien, Ungarn, Kroatien und Serbien die Weichen für eine gemeinsame UNESCO-Antragstellung zu stellen. Es gibt gute Chancen auf Anerkennung durch die UNESCO, wie es von kompetenter Stelle tönt. Mit der offiziellen Anerkennung durch die UNESCO ist im Juni 2021 zu rechnen.

Mit dem internationalen Zusammenschluss der 5 Teilgebiete eröffnen sich viele neue Möglichkeiten für den Natur- und Kulturtourismus zwischen Österreich - als oberes Tor zum 5-Länder-Park - und Südosteuropa. Bereits jetzt laufen schon mehrere internationale Projekte zur Stärkung und Belebung dieser beeindruckenden Naturregion, Projekte zur Erweiterung und Aufwertung des Radwegenetzes (INTERREG „Amazon of Europe Bike Trail“ , des Flussraumes, des Hochwasserschutzes, der Zusammenarbeit im Tourismus und vieles andere mehr.

Der österreichische Anteil wird durch den jungen Steirischen „Biosphärenpark Unteres Murtal“ zwischen Spielfeld und Bad Radkersburg repräsentiert, eine Region, in der die zuständigen Abteilungen für Schutzwasserwirtschaft und Naturschutz des Amtes der Steiermärkischen Landesregierung sowie des Bundes in den letzten Jahren mehrere Millionen Euro zur Sicherung des Hochwasserschutzes und der Auenökologie investiert haben und damit gute Startvoraussetzungen für die 5-Länder-Unterschutzstellung geschaffen haben.

Größenvergleiche :

Die verstärkte Sicherung und Pflege dieses grenzüberschreitenden Lebensraumes von rund einer Million Hektar Fläche, was der zweieinhalbfachen Fläche des Burgenlands entspricht –  davon 1.000 km2 Flussgebiet – kommt natürlich auch der biologischen Vielfalt der Tierwelt, insbesondere der Vogelwelt, zugute, womit der Lebensraum für Eisvogel, Flussregenpfeifer, Flussuferläufer, Schwarzstorch und Seeadler deutlich aufgewertet wird.

Global existieren derzeit über 701 Biosphärenparks in 124 Staaten, 21 davon sind grenzüberschreitend. Sie dienen nicht nur dem Schutz und der Pflege bestimmter Ökosysteme, sondern auch der ökologischen Forschung, der umweltgerechten Landnutzung und der Bildung im Bereich nachhaltiger Entwicklung. Anders als Nationalparks schützen Biosphärenparks nicht nur unberührte Natur, sondern auch vom Menschen bewohnte und oft über Jahrhunderte gestaltete Kulturlandschaften.

Geschichte und Meilensteine:

Nach den Regeln der UNESCO muss – bevor ein gemeinsamer 5-Länder-Antrag gestellt werden kann – zunächst jedes der 5 Länder einen eigenen Antrag an die UNESCO übermitteln. Erst nach Übermittlung und Anerkennung aller 5 Einzelanträge kann ein 5-Länder-Antrag gestellt werden. Das ist jetzt nach der Einigung im Frühjahr 2020 der Fall.

Bereits im Jahr 2011 wurde eine 5-Länder Ministerdeklaration zur Vorbereitung des 5-Länder-Biosphärenparks beschlossen. Am 25.03.2011 (Budapest) wurde der HU – HR bilaterale Biosphärenpark 2011 von der UNESCO anerkannt. SERB (Serbien) tritt 2015, und SLO tritt 2018 bei (UNESCO – anerkannt). 2018 folgt ein positiver Gemeinderatsbeschlüsse aller 4 AT Muranrainergemeinden und AT bekam im Juni 2019 die Anerkennung des „Biosphärenpark Unteres Murtal“ in der Steiermark. Am 1. April 2020 sollten in Bad Radkersburg von der UNESCO die Urkunden an die 4 Bürgermeister von Radkersburg, Halbenrein, Mureck und Murfeld übergeben werden, was aufgrund der Covid-19-Krise verschoben werden musste. Dennoch hat damit hat Österreich als letztes der 5 Länder ebenfalls „seinen“ Anteil von der UNESCO anerkannt bekommen. Nun geht es um die Anerkennung des gemeinsamen 5-Länder-Biosphärenparks.

Zeitplan :

Der 5-Länder-Antrag kommt damit in die Auswahlrunde mit dem Stichtag 30.09.2020 und kann dann im Februar 2021 im UNESCO TBMDDR-Advisory Board beraten und im Juni 2021 beim weltweiten UNESCO Coordinating Committee beschlossen werden. Somit kann davon ausgegangen werden, dass die  UNESCO-Anerkennung des gemeinsamen 5-Länder Biosphärenparks noch im Sommer 2021 mit Beginn der slowenischen EU-Präsidentschaft im Juli 2021 erfolgt! Festgehalten werden soll aber auch, dass der WWF zusammen mit EURONATUR und vielen anderen NGOs das Projekt seit 15 Jahren intensiv und unermüdlich durch die Durchführung vieler Projekte aktivst unterstützt hat.

Nationale Umsetzung des Biosphärenparks „Unteres Murtal“ als Teil des zukünftigen 5-Länder-Biosphärenparks:

Die Umsetzung in Österreich erfolgt durch das Land Steiermark über das Referat Regionalentwicklung/Naturschutz  durch das „Regionalmanagement Südoststeiermark. Steirisches Vulkanland GmbH“ in Bad Radkersburg sowie die Baubezirksleitung Südoststeiermark. Die 4 betroffenen Gemeinden im Unteren Murtal hatten bereits im Jahr 2018 positive Beschlüsse zum Biosphärenpark gefasst. Es ist angedacht, mit INTERREG-Unterstützung eine gemeinsame Biosphärenpark-Geschäftsstelle AT-SLO in Bad Radkersburg einzurichten.

Detaillierte Informationen über den österreichischen „Biosphärenpark Unteres Murtal“  kann man über die UNESCO Seite https://www.unesco.at/presse/artikel/article/neuer-unesco-biosphaerenpark-unteres-murtal-in-der-steiermark  abrufen.

Leistungen des BMLRT:

Da der Bund/das BMLRT für Wasserwirtschaft und Hochwasserschutz an der Mur zuständig und auch in der Grenzgewässerkommission vertreten ist, gibt es auch Aktivitäten des Bundes – in mittelbarer Bundesverwaltung - im Biosphärenpark. Diese sind jedoch nicht der Biosphärenpark-Verwaltung des Landes unterworfen. Der Bund hat sich aufgrund seines gesetzlichen Auftrags, für Hochwasserschutz zu sorgen, bereits mehrmals als Ko-Finanzierer über verschiedene EU-Projekte (INTERREG, LIFE) eingebracht. Bisher wurden die INTERREG-Projekte „Dra-Mur-Ci“ , „SI-Mur-AT“, „goMura“, und „MurErleben 2“ erfolgreich umgesetzt.

Parallel zur Antragstellung an die UNESCO werden im künftigen Biosphärenpark bereits konkrete Projekte mit einem Volumen von insgesamt rund 14 Millionen Euro umgesetzt, unterstützt vom BMLRT, des WWF und der Europäischen Union. So arbeiten die Schutzgebietsverwaltungen der Mur-Drau-Donauregion seit 2017 in der über das INTERREG-AT-SLO Programm geförderten Initiative „coop MDD“ (INTERREG) und „Drava LIFE“ an gemeinsamen Zielen und grenzüberschreitenden Schutzmaßnahmen. Vor kurzem wurde INTERREG coop MDD II unter dem Titel „Lifeline MDD“ – Antragsteller WWF - genehmigt und kann jetzt starten. Mit Hilfe der EU-Programme LIFE und INTERREG werden Flussrevitalisierungen und Hochwasserschutzprojekte  durchgeführt und dadurch neuer Lebens- und Erlebnisraum geschaffen.

 

Veröffentlicht am 15.06.2020, Hochwasserrisikomanagement (Abteilung I/6)