Wasserschloss Europas in Gefahr?

Der zweite Alpenzustandsbericht "Wasser in den Alpen" ist im Juni 2009 erschienen.

Dieser Bericht bietet erstmals eine umfassende Bestandsaufnahme aller fachlich und rechtlich relevanten Aspekte des Themas Wasser in den Alpen und wurde in Zusammenarbeit mit allen Alpenstaaten im Rahmen der Alpenkonvention erstellt.Karl Schwaiger, Österreichischer Vorsitzender der Ad-hoc Expertengruppe des Alpenzustandsberichts fasst mit einem Vergleich aus der Medizin zusammen: "Wie ein Arzt misst der Bericht den Puls, untersucht Blut und Herzschlag der Alpen-Gewässer. Er zeigt, wie es um deren Gesundheit steht, such nach Ursachen, schlägt aber auch Prävention und Therapie vor."
 
Der Bericht liefert detaillierte und regional differenzierte Informationen zum Zustand der Wasserressourcen, zu Wasserqualität und -quantität. Ökonomische und soziale Aspekte der Wassernutzung behandelt er ebenso wie die Rolle von Naturgefahren und die Auswirkungen des Klimawandels auf den Wasserhaushalt. Darüber hinaus bietet er einen Überblick über relevante rechtliche Regelungen sowie Anregungen für die Zukunft. 200 Seiten mit 120 farbigen Abbildungen, Tabellen und Fotos sowie ausführliche Quellenangaben ermöglichen eine vertiefende Recherche.
 
Als wichtigste Herausforderung gilt es laut Bericht, integriertes Risikomanagement gegen Naturgefahren umzusetzen, Bewirtschaftungspläne für Flussgebiete zu erstellen, bestehende Gewässerbelastungen zu verringern sowie die Wasserkraft nachhaltig zu nutzen. Derzeit erzeugen mehr als 550 bestehende Wasserkraftanlagen im gesamten Alpenraum mit einer Leistung von jeweils über 10 Megawatt Elektrizität, dazu kommen Tausende von kleinen Anlagen. Steigender Wasserverbrauch und Klimawandel stellen die Wasserwirtschaft vor neue Herausforderungen.
 
Auch regionale Unterschiede wie die ungleiche Verfügbarkeit von Wasser fordern die alpine Wasserwirtschaft heraus. Dem alpenweiten Gesamtbild von „Zuviel“ auf Grund hoher Niederschlagsmengen steht bereits jetzt in einigen Gebieten der südlichen Alpen Wassermangel entgegen.
 
„Wir zeigen nicht nur, dass der Wasserhaushalt der Alpen einen entscheidenden Einfluss auf den Europas hat, sondern dass diese Abhängigkeit durch den Klimawandel weiter steigt“, erläutert Karl Schwaiger. Eine international besetzte Expertengruppe unter dem gemeinsamen Vorsitz von Österreich und Deutschland sowie das Ständige Sekretariat der Alpenkonvention verfassten den Bericht. Über 60 WissenschaftlerInnen, InteressensträgerInnen sowie Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen wirkten insgesamt mit. Die Minister der Alpenstaaten nahmen den Bericht bei der X. Alpenkonferenz am 12. März 2009 in Evian (Frankreich) an.
 
Der Bericht ist als Langversion in Englisch und in je einer Kurzversion in fünf Sprachen (I, F, D, SLO, ENG) erhätlich. Alle Versionen sind als pdf-Dateien zum Download auf der Webseite der Alpenkonvention verfügbar.

Veröffentlicht am 09.10.2014, Nationale und internationale Wasserwirtschaft (Abteilung I/3)