Strategie Hochwasserschutz

Die Hochwässer von 2002 und 2005 haben gezeigt, dass Naturereignisse Schutzbauten trotz aller Anstrengungen zerstören können. Einen vollkommenen Hochwasserschutz gibt es nicht.

Auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse werden drei Hauptziele für den Hochwasserschutz definiert und weiterverfolgt.

Ziel 1: Schutz von Menschenleben

Die Rettung von Menschenleben hat oberste Priorität. Wichtige Infrastrukturanlagen wie Spitäler, Wasserversorgung und andere Versorgungslinien benötigen einen höheren Schutz als ersetzbare Sachwerte. Maßnahmen zur Evakuierung und zur Rettung von Personen sind stets einzuplanen.


Ziel 2: Notwendige Hochwasserschutzmaßnahmen ergreifen
Schutzbauten werden zur Sicherung von bestehenden Siedlungen auch künftig erforderlich sein. Sie können ihre Funktion nur erfüllen, wenn sie instand gehalten und laufend auf ihre Wirksamkeit überprüft werden.


Ziel 3: Schutz der Gewässer
Gewässer führen nur selten zerstörerische Hochwässer. Ihre Funktion für Natur und Erholung sollten bei der Maßnahmenplanung stets bedacht werden. Vielfach können durch Synergieeffekte beide Seiten - der Hochwasserschutz und die Natur - profitieren.

Die strategische Ausrichtung des Hochwasserschutzes in Österreich beruht auf jahrzehntelanger Erfahrung, greift aber auch Erkenntnisse auf, die aus der Bewältigung der jüngsten Hochwasserkatastrophen gewonnen werden konnten. Die Zukunftsaufgaben liegen vor allem in einem stärkeren integrierten Hochwassermanagement unter Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger aber auch in der fachlichen und inhaltlichen Weiterentwicklung.

Die zehn Strategien des Hochwasserschutzes für Österreich im Überblick:


1. Die Grenzen des Schutzes und die Verantwortung der Beteiligten aufzeigen
Die Grenzen des Schutzes und die Verantwortung der Beteiligten müssen aufgezeigt werden. Nur der Wille zur Zusammenarbeit macht eine Schadensbewältigung im Interesse der Gemeinschaft möglich.
Hochwasserschutz geht alle an.


2. Gefahrenkenntnis und Gefahrenbewusstsein fördern
Gefahrenbewusstsein heißt die Gefahr zu kennen und dieses Wissen weder zu vergessen noch zu verdrängen sondern bei allen Handlungen angemessen zu berücksichtigen.


3. Angepasste Nutzung durch die Raumplanung sicherstellen
Es muss die Nutzung den Eigenschaften des Standortes angepasst werden und nicht der Standort den Nutzungen. Überflutungsflächen sollten der Retention zur Verfügung stehen, womit häufig auch eine Verbesserung der ökologischen Situation der Flusslandschaft einhergeht.


4. Anreizsysteme zur Eigenvorsorge fördern
Grundsätzlich ist jeder für den Schutz seines Eigentums selbst verantwortlich. Somit ist jedem Einzelnen ein individueller Beitrag zur Hochwasservorsorge zumutbar. Mit guter Information und allenfalls geeigneten Anreizen, die nicht speziell teuer sein müssen, kann hier vieles erreicht werden.


5. Hochwasserrelevante negative Entwicklungen erkennen
z.B. Verlust von Retentionsräumen, Abflussbeschleunigung, unausgeglichener Feststoffhaushalt, instabile Sohlenlage etc.


6. Planungen der öffentlichen Hand abstimmen
Viele Interessenskonflikte können durch eine Abstimmung sämtlicher relevanter Planungen vermieden werden. Die Dienststellen von Bund und Ländern müssen dabei vorbildlich agieren.


7. Schutzmaßnahmen wo nötig
Auch wenn in Zukunft Hochwasserschutz prioritär durch raumwirksame Maßnahmen sichergestellt wird, wird es auch weiterhin notwendig sein, Lebens- und Wirtschaftsraum durch technische Schutzbauten zu sichern.


8. Notfallplanung und Katastrophenschutzmaßnahmen ausbauen
So wie der Brandschutz nicht die Feuerwehr ersetzt, so können Schutzbauten die Notfallplanung nicht ersetzen. Auch umfangreiche Hochwasserschutzmaßnahmen können niemals eine absolute Sicherheit gewährleisten. Es wird stets erforderlich sein, deren Wirkung durch Notfallmaßnahmen
und Katastrophenschutzmaßnahmen zu ergänzen.


9. Finanzielle Vorsorge sicherstellen
So wie die Natur sich nicht vor dem Ereignis schützt, aber alle Vorkehrungen zu einer raschen Regeneration trifft, muss der Mensch durch Ersparnisse, Versicherung, öffentliche oder private Hilfe den Wiederbeginn nach dem Ereignis sicherstellen.


10.Vorwarnung verbessern
Moderne Techniken verbessern die Möglichkeiten, Ablauf und Intensität von Hochwasserereignissen vorherzusagen. Durch rechtzeitige Warnung können Schäden verhindert oder minimiert werden.

Alle Planungen und Maßnahmen der Bundeswasserbauverwaltung lassen sich in drei Fachbereichen zuordnen. Dabei werden im Rahmen des „vorbeugenden Hochwasserschutzes“ Maßnahmen umgesetzt, die zu einer Verminderung von Abflussspitzen und Abflussgeschwindigkeiten führen. Denn der beste Hochwasserschutz ist jener, der ein Hochwasser erst gar nicht entstehen lässt. Natürlicher Wasserrückhalt in Augebieten und unbebauten Talräumen reduziert die Hochwassergefahr an der Wurzel. Je größer der natürliche Rückhalt und die Versickerung, desto niedriger die Hochwasserstände flussabwärts. Der „technische Hochwasserschutz“, als Hauptaufgabe der Bundeswasserbauverwaltung, betrifft die Errichtung von Schutzbauten in oder am Gerinne und im Überflutungsbereich. Wo Menschen und Sachwerte geschützt werden müssen, ist technischer Hochwasserschutz in Form von Ufermauern, Dämmen, Rückhaltebecken etc. unverzichtbar. Allerdings sind die Möglichkeiten beschränkt und die gewonnene Sicherheit relativ. Es können immer noch größere Hochwässer auftreten. Schließlich setzt die „Hochwasservorsorge“ auf Maßnahmen zur Verringerung des Schadenspotenzials durch Flächen- (Raumordnung), Bau- (hochwasserangepasstes Bauen), Verhaltens- (Warnung und Alarmierung) und Risikovorsorge (Versicherungen). Trotz vorbeugendem und technischem Hochwasserschutz bleibt ein Restrisiko, das nur durch richtige Vorsorge auf allen Ebenen der Gesellschaft minimiert werden kann.
 

Veröffentlicht am 31.01.2014, Schutzwasserwirtschaft (Abteilung I/6)