Berechnungen der Luftströmungen aus Tschernobyl

Mit den aktuellen Waldbränden in der Sperrzone von Tschernobyl kamen Befürchtungen auf, die Flammen könnten zu erhöhter Radioaktivität führen und diese auch in andere Länder Europas tragen, doch bisher liegen sämtliche Messwerte im Normalbereich.

Seit dem Beginn der Waldbrände in der Ukraine berechnet das BMK täglich die Luftströmungen aus der Sperrzone Tschernobyls. Für diese Ausbreitungsberechnungen nutzt das BMK das TAMOS-System der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG).

Die Ergebnisse der Ausbreitungsberechnungen zeigen Folgendes:

  • Im Zeitraum vom 4. April 2020, dem Beginn der Waldbrände in der Sperrzone von Tschernobyl, bis zum 6. April 2020 wurde aufgrund der Windsituation auch Luft aus Richtung Tschernobyl nach Mitteleuropa transportiert. Obwohl diese Luftmassen etwa drei bis vier Tage später in Mitteleuropa eintrafen, kam es dadurch in Österreich zu keinen Messwerterhöhungen außerhalb der normalen Schwankungsbereich.
  • Von 7. bis 18. April 2020 wurden die Luftmassen aus Richtung der Sperrzone von Tschernobyl aufgrund geänderter Windrichtungen nicht mehr nach Mitteleuropa, sondern in andere Teile Europas verfrachtet. Auch in diesem Zeitraum kam es in Österreich zu keinen Messwerterhöhungen über dem normalen Schwankungsbereich.
  • Am 19. April bewegt sich die Luftströmung wieder Richtung Mitteleuropa. Mit dem Eintreffen in Mitteleuropa ist etwa drei bis vier Tage später – also um den 22.April – zu rechnen.
  • Seit 20. April werden die Luftströmungen nicht mehr nach Mitteleuropa, sondern wieder in andere Teile Europas verfrachtet.
  • Die aktuellen Messdaten des ukrainischen Strahlenfrühwarnsystems liegen bisher im Normalbereich. Es liegen auch keine Informationen zu Messwerterhöhungen in anderen Staaten vor. Daher ist es nicht zur erwarten, dass aufgrund der Luftverfrachtungen aus Richtung Tschernobyl durch die Waldbrände in der Sperrzone mehr als geringe Spuren von Cäsium in Europa verbreitet werden. Nicht auszuschließen ist, dass Spuren radioaktiver Stoffe wie Cäsium-137 in aufwändigen Labormessungen in einzelnen Staaten Europas in Zukunft nachgewiesen werden können. Eine Gesundheitsgefährdung dadurch ist aufgrund der geringen Konzentration und der extrem niedrigen Strahlenbelastung ausgeschlossen.

 Diese Ergebnisse stimmen mit den Ausbreitungsberechnungen anderer Länder überein.

HINWEIS zu Ausbreitungsberechnungen! Bei Berechnungen über einen sehr langen Zeitraum (bis zu 120 Std) und große Entfernungen (über mehr als 1000 km) nimmt die Genauigkeit der Ergebnisse ab.

Zusätzlich zum Österreichischen Strahlenfrühwarnsystem betreibt die AGES ein laborgestütztes Überwachungssystem, das mit sehr empfindlichen Messgeräten die bodennahe Luft auf radioaktive Stoffe untersucht. Die Messwerte werden von der AGES und von der Abt. Strahlenschutz im BMK auch weiterhin beobachtet. Die Auswertungen der Messergebnisse liegen bisher nicht über dem üblichen Schwankungsbereich in Österreich.

Aktuelle Messergebnisse in Österreich sowie Informationen zu Messwerten in anderer Staaten Europas finden Sie auf der Website des BMK und sind der Infothek des BMK unter www.bmk.gv.at  entnehmen.

Veröffentlicht am 29.04.2020