Strategie zur CO2-armen Entwicklung

Eine Versorgung Österreichs alleine durch heimische erneuerbare Energieträger ist bis zum Jahr 2050 grundsätzlich möglich.

Manche der heute getroffenen Entscheidungen wirken sehr lange Zeit nach. Neue Gebäude werden Jahrzehnte genutzt, Infrastrukturen wie Straßen oder Bahnlinien bestimmen langfristig das Verkehrsangebot genauso wie Siedlungsstrukturen die Verkehrsnachfrage. Für eine massive Reduktion der Treibhausgasemissionen bis Mitte des Jahrhunderts ist daher eine langfristige Strategie notwendig. Im Rahmen der Klimakonvention (UNFCCC) wurden in der Einigung von Cancun die entwickelten Länder aufgefordert, Strategien zur CO2-armen Entwicklung zu erstellen („low-carbon development strategies“, Entscheidung 1/CP.16 bei der Klimakonferenz von Cancun 2010).

Eine wesentliche Voraussetzung für eine CO2-arme Entwicklung ist die Energieversorgung mit erneuerbaren Energiequellen. Bereits 2010 wurde eine Studie zum Thema „Energieautarkie für Österreich 2050“ erstellt. Sie zeigt, dass bis zum Jahr 2050 eine Versorgung Österreichs alleine durch heimische erneuerbare Energieträger grundsätzlich möglich ist, sofern der Endenergiebedarf maßgeblich reduziert werden kann.

Im Jahr 2011 hat die Europäische Kommission (EK) für die EU einen Fahrplan vorgestellt, um die Treibhausgasemissionen bis 2050 um 80% gegenüber 1990 zu reduzieren (Roadmap 2050). Dieser Fahrplan enthält noch keine konkreten Maßnahmenlisten, aber er zeigt auf, wie die wesentlichen Sektoren den Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft erreichen können. Die von der EK vorgelegte Roadmap 2050 wurde zum Anlass genommen, die darin vorgeschlagenen Entwicklungslinien mit österreichischen Stakeholdern zu diskutieren. In den Fachdialogen zu den Sektoren Energie, Industrie sowie Landwirtschaft und Landnutzung, die im Jahr 2012 stattgefunden haben, wurde die Sichtweise der Wirtschaft, von NGOs und der Wissenschaft dargestellt. Von den verschiedenen Seiten wurde betont, dass für eine derartig starke Emissionsminderung Verhaltensänderungen in der Gesellschaft genauso notwendig sind wie die Entwicklung neuer Technologien für verschiedene Bereiche.

Im März 2013 hat die Europäische Kommission das Grünbuch zum Rahmen für die Klima- und Energiepolitik bis 2030 vorgelegt. Nach Diskussionen mit Stakeholdern und der Akkordierung einer österreichischen Stellungnahme zum Grünbuch überlagerten auf nationaler Ebene die politischen Verhandlungen zu den 2030-Zielen die Entwicklung einer Strategie zu langfristigen Zielen. Bei der Sitzung des Europäischen Rats im Oktober 2014 wurde ein Beschluss über den Rahmen der Klima- und Energiepolitik bis 2030 gefasst, der u. a. die Reduktion der Treibhausgasemissionen in der EU um 40% bis 2030 vorsieht. Die Kommission hat Mitte 2016 u.a. einen Vorschlag für die Aufteilung der Reduktionsvorgaben im Nicht-Emissionshandelsbereich auf die Mitgliedstaaten vorgelegt. Nach diesem Vorschlag muss Österreich seine Treibhausgasemissionen im Nicht-Emissionshandelsbereich bis 2030 um 36% gegenüber 2005 reduzieren. Die Vorschläge werden derzeit im Rat und im EU-Parlament verhandelt.

In Österreich wurde die Erarbeitung einer nationalen Energie- und Klimastrategie begonnen. Nach der Erstellung eines Grünbuchs zur Energie- und Klimastrategie wurde durch die vier betroffenen Bundesministerien in der zweiten Hälfte des Jahres 2016 ein umfangreicher Öffentlichkeitsbeteiligungsprozess durchgeführt. Die Strategie weist einen Fokus auf die Einhaltung der Ziele für 2030 auf und wird darüber hinaus Perspektiven für die längerfristige Entwicklung bis 2050 darstellen.

Als eine wesentliche Grundlage für die weiteren Diskussionen wurde ein Werkzeug entwickelt, das es erlaubt, Szenarien zur langfristigen Emissionsentwicklung unter unterschiedlichen Annahmen zu veranschaulichen. Der „Klima-Zielpfadrechner Österreich 2050“ basiert auf dem „2050 pathway calculator“ des britischen Umweltministeriums; neben der Vollversion wurde auch eine vereinfachte Version („Klima-Zielpfadrechner light“) erstellt. Das BMNT geht davon aus, dass der Klima-Zielpfadrechner eine wichtige Ergänzung zu den vorliegenden wissenschaftlichen Studien und Empfehlungen darstellt und den Diskussionsprozess zur langfristigen Strategie für eine CO2-arme Entwicklung unterstützt.

Fahrpläne der Länder

Die meisten Bundesländer haben eigene längerfristige Strategien zur CO2-armen Entwicklung aufgestellt, zum Teil im Hinblick auf das Zieljahr 2030, teilweise darüber hinaus. So ist der Energiemasterplan Kärnten (eMap) bis 2035 ausgerichtet; Kärnten will im Bereich Wärme und Strom bis 2025 unabhängig von fossilen Energieträgern werden, im Verkehrsbereich soll diese Unabhängigkeit bis 2035 erreicht werden. Dieses Ziel soll mit dem Ausbau erneuerbarer Energie und der Verbesserung der Energieeffizienz erreicht werden.

Der Energiefahrplan Niederösterreich ist auf das Jahr 2030 ausgerichtet und hat als Zwischenziel für 2020 eine 50%-ige Deckung des Gesamtenergiebedarfs aus erneuerbaren Energieträgern.

Oberösterreich sieht in der Landesenergiestrategie "Energieleitregion OÖ 2050" u.a. die Steigerung des Anteils der Erneuerbaren am Stromverbrauch auf 80 bis 97% bis 2030 und bei den energiebedingten Treibhausgasemissionen eine Reduktion der Emissionsintensität um 70 bis 90% bis 2050 vor.

Die Salzburger Landesregierung hat die Leitstrategie „Salzburg 2050 klimaneutral.energieautonom.nachhaltig“ beschlossen. Um bis 2050 klimaneutral und energieautonom zu werden, sollen stufenweise die Treibhausgasemissionen reduziert (bis 2030 minus 50%, bis 2040 minus 75%) und der Anteil erneuerbarer Energieträger an der Versorgung Salzburgs erhöht (bis 2030 auf 65%, bis 2040 auf 80%) werden. Dazu wurde ein Maßnahmenpaket erarbeitet, das stetig weiterentwickelt wird.

Der Klimaschutzplan Steiermark zielt auf eine Reduktion der Treibhausgasemissionen um 28% bis 2030 ab. Zu diesem Zweck befindet sich ein umfangreiches Maßnahmenprogramm in Umsetzung.

Für Wien finden sich langfristige klimarelevante Zielvorgaben in der 2014 vom Gemeinderat beschlossenen „Smart City Wien Rahmenstrategie“. Bis 2050 soll der Energieverbrauch pro Kopf um 40% reduziert werden und 50% des Bruttoenergieverbrauchs aus erneuerbaren Quellen stammen; dafür wurden Ziele für einzelne Sektoren und Zwischenziele für 2030 festgelegt. Damit sollen bis 2050 die Treibhausgasemissionen pro Kopf um 80% reduziert werden.

Veröffentlicht am 27.08.2019