Köstinger: „Treibstoffe aus Holz sind wichtige Zukunftschance für die Forstwirtschaft“

Reallabor entwickelt Produktionsmöglichkeiten von Gas und Treibstoff aus Holz als nachhaltige Alternative zu fossiler Energie.

Die Produktion von Gas und Treibstoff aus Holz und biogenen Reststoffen als Ersatz für fossile Energieträger ist technisch möglich und zahlt sich gleich mehrfach aus: Das ist das Ergebnis einer vom BMLRT in Auftrag gegeben Studie der Technischen Universität Wien.

Erste Konsequenz aus der Studie ist die Errichtung eines Forschungslabors, in dem die Erzeugung von Holzdiesel und Holzgas unter realistischen Bedingungen entwickelt wird. Dieses Real-Labor wird mit 30 Millionen Euro aus Mitteln des Waldfonds der Bundesregierung finanziert.

Hauptziel der Initiative des Landwirtschaftsministeriums ist der Ersatz von fossiler Energie durch nachhaltige Alternativen. „Der Wald ist nicht nur ein Hauptbetroffener des Klimawandels, sondern auch ein Teil der Lösung. Um die Klimaziele zu erreichen und Erneuerbare Energien zu forcieren, ist eine Alternative zu fossilen Energieträgern notwendig“, erklärt Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger und ergänzt: „Neben dem bewehrten Einsatz von Biomasse in Heizungen, Fernwärme oder Stromproduktion sind Holzgas und Holzdiesel weitere nachhaltige Alternativen mit viel Potenzial im Bereich der Erneuerbaren Energie. Darum widmen wir eine der zehn Maßnahmen in unserem Waldfonds-Paket dem Forschungsschwerpunkt zur Erzeugung von Holzgas und Treibstoffen aus Holz.“

„Bis 2040 will Österreich aus Erdöl, Erdgas und Kohle aussteigen. Mit Holzdiesel und Holzgas können wir Bereiche defossilisieren für die es aktuell keine brauchbaren Alternativen gibt. In der Land- und Forstwirtschaft können wir den Erdölausstieg auf Basis heimischer Technologie und heimischer Rohstoffe bis 2035 erreichen“ ergänzt der Präsident des Biomasseverbandes Franz Titschenbacher.

Chance für Umwelt und Forstwirtschaft

In Österreich wächst jedes Jahr deutlich mehr Holz zu, als genutzt wird. Doch die hohen Schadholzmengen durch Borkenkäfer, Trockenheit und Extremwetterereignisse machen der Holzwirtschaft schwer zu schaffen. Im Vorjahr waren mehr als 60 Prozent der Holzernte in Österreich Schadholz. Mit dem Waldfonds in Höhe von 350 Millionen hat die Bundesregierung das größte Investitionspaket für Österreichs Wälder auf den Weg gebracht, das es je gab. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Bereich der Forschung.

Durch energetische Nutzung von Biomasse können kostspielige Importe von Erdgas und Erdöl verringert werden. Eine Potenzialabschätzung des Österreichischen Biomasse-Verbandes geht bis 2030 von einem realisierbaren Bioenergiepotenzial von 340 Petajoule aus, wobei rund die Hälfte des Ausbaupotenzials aus der Forstwirtschaft stammt. Holzgas und Holzdiesel sind daher nachhaltige Alternativen mit großem Potenzial. Der CO2-Fußabdruck ist um 90 Prozent geringer als bei fossilem Erdgas oder Diesel.

Praxisnahe Forschung

Mit Investitionen von 30 Millionen Euro soll ein Real-Labor mit 5 Megawatt Brennstoffleistung errichtet werden, das die Forschung im praxisnahen Anlagenbetrieb ermöglicht. Hier soll die Produktion von Treibstoffen auf Basis von Schadholz und Waldrestholz zur Marktreife geführt sowie die Erzeugung von Holzgas zur Einspeisung in das Erdgasnetz weiterentwickelt werden.

Machbarkeitsstudie klärt technische und ökonomische Voraussetzungen

Erst durch die vom BMLRT beauftragte Machbarkeitsstudie der TU-Wien konnten notwendige Rahmenbedingungen abgesteckt und technische sowie ökonomische Voraussetzungen geklärt werden. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass der gesamte Bedarf der Land- und Forstwirtschaft durch Holzdiesel und einspeisfähigem Holzgas abgedeckt werden könnte. Aus fünf Kilogramm trockenem Holz kann ein Liter Kraftstoff erzeugt werden. Da es sich bei Holzdiesel um einen „Drop-in“-Kraftstoff handelt, ist eine technische Umrüstung bzw. Neuanschaffung von Fahrzeugen und Maschinen nicht notwendig.

Das Projekt der Technischen Universität Wien wurde gemeinsam mit dem Österreichischen Biomasseverband entwickelt und vom BMLRT finanziert. Der Endbericht ist auf der Forschungsdatenbank "DaFNE" des BMLRT abrufbar.

Veröffentlicht am 04.08.2020