Die wichtigsten Punkte des Tierwohl-Paktes im Überblick

Neue Förderprogramme bringen mehr Investitionen in mehr Tierwohl. Ein Überblick über die wichtigsten Punkte des am 28. Oktober unterzeichneten Tierwohl-Paktes.

  1. 120 Mio. Euro Förderung pro Jahr für Investition in tiergerechte Haltungssysteme soll Anreiz für Um- und Neubau von tierwohlgerechten Ställen setzen.

  • Neue Förderstandards für Ferkelaufzucht und Schweinemast bzw. Rinderhaltung.
  • Mehr Platz, größere Buchten
  • Getrennte Funktionsbereiche mit nur wenig perforierten Liegeflächen
  • Vielseitiges Beschäftigungsmaterial und Kühlmöglichkeiten
  • Kein Spaltenboden für die Rindermast ohne weiche Auflage
  • Ab 2021 Erhöhung des Fördersatzes für Investitionen in besonders tierfreundliche Haltungen bei Schwein und Pute von 25% auf 35% der Investitionskosten.
  • Ab 2021 keine Förderung für den Neubau von Anbindeställen (ausgenommen Kleinstbetriebe).
  • Ab 2022 keine Förderung mehr für den Neubau von Ställen, die nur gesetzliche Mindeststandards erfüllen – z.B. Ställe, die ausschließlich Vollspaltenböden in der Schweinehaltung verwenden.
  1. Unterstützung bei laufendem Aufwand für mehr Tierwohl

Neben höheren Kosten für den Stallbau fallen bei tiergerechteren Haltungssystemen auch erhöhte laufende Kosten an (z.B. für Einstreu bzw. damit verbundene Arbeitstätigkeiten).

  • „Tierwohl-Weidehaltung“: Bäuerinnen und Bauern werden unterstützt, wenn sie Weidehaltung für Rindern, Schafen, Pferden etc. als tier- und umweltgerechtes Haltungssystem anbieten.
  • „Tierwohl-Stallhaltung“ in der Rindermast fördert mehr Platz und eine eingestreute, weiche Liegefläche für männliche Mastrinder.
  • „Tierwohl-Stallhaltung“ für Schweine fördert mehr Platz und eingestreute Liegeflächen. Für Betriebe, die unkupierte Schweine halten, wird es einen Zuschlag geben.
  1. Reduktion von Kälbertransporten – österreichische Kalbsfleischstrategie umsetzen

Die Produktion von Kalbfleisch in Österreich ist seit Jahrzehnten rückläufig; gleichzeitig steigen die Importe. Ziel ist, die Bedarfsdeckung aus regionaler Produktion zu erhöhen. Damit werden Kälbertransporte deutlich reduziert bzw. vermieden

  • Aufnahme der Qualitätsstandards „Vollmilchkalb“ und „Kalb rosé“ ins AMA-Gütesiegel, darauf aufbauend Absatzförderung und Vermarktungsstrategien.
  • Ausweitung der bestehenden Förderung für die Erzeugung von Qualitätsrindfleisch (Q-plus Rind) auf die Kälbermast.
  • Das Förderprogramm „Tierwohl Stallhaltung“ wird auf Kälber ausgedehnt (ab 2023).
  1. Weiterentwicklung der Gemeinsamen Agrarpolitik hin zu mehr Tierwohl

Mit der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) nach 2020 muss der Fokus auf höhere Tierwohlstandards in allen EU-Mitgliedsstaaten gelenkt werden, denn sonst entsteht eine gravierende Wettbewerbsverzerrung im EU-Binnenmarkt. Die notwendige Weiterentwicklung wird in den GAP-Strategieplänen festgeschrieben:

  • Weiterentwicklung der Maßnahmen „Tierwohl-Weidehaltung“, „Tierwohl-Stallhaltung“ und in den Programmen zur biologischen Landwirtschaft
  • Ausweitung des Programms „Tierwohl-Stallhaltung“ auf Kälber
  1. Aufbau Österreichischer Tiergesundheitsdienst

Die Tiergesundheit ist unverzichtbare Basis für das Tierwohl. Daher ist der Aufbau einer zentralen Struktur als Ergänzung der Länder-Tiergesundheitsdienste geplant.

  • Programme zur Umsetzung von Tierwohlvorgaben (z.B. Verzicht auf Schwanzkupieren bei Ferkeln).
  • Einheitliche Tiergesundheitsprogramme (z.B. Reduktion von Medikamenten).
  • Unterstützung der Tierhalter bei der Umsetzung veterinärrechtlicher Vorgaben
  1. Rasche Umsetzung von Forschungsergebnissen in die Tierhaltungspraxis

Bei den laufenden Projekten mit Schwerpunkt Tierwohl werden insbesondere jene mit starkem Praxisbezug unterstützt, um eine rasche Umsetzung zu gewährleisten.

  • Aktuelles Projekt: Möglichkeiten des Umbaus von Schweinehaltungen mit gesetzlichem Haltungsstandard hin zu einem gehobenen Standard, wie zukünftig für die Investitionsförderung vorgesehen. Umsetzung und Prüfung in Praxisbetrieben.
Veröffentlicht am 28.10.2020, Kommunikation und Service (Abteilung Präs. 5)