Landwirtschaft und Klima

Gerade der Sektor Landwirtschaft, der die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln sicherstellen muss, ist von Klimaänderungen direkt betroffen.

Daher muss die Landwirtschaft der Klimaänderung in doppelter Hinsicht gerecht werden. Einerseits ist sie dazu aufgefordert ihre Treibhausgasemissionen zu reduzieren, auf der anderen Seite muss sie sich zwangsläufig an die veränderten Klimabedingungen anpassen. Mit vielen Maßnahmen wie umweltgerechter und nachhaltiger Wirtschaftsweise, Förderung regionaler Vermarktung und Erzeugung von Bioenergie leistet die heimische Landwirtschaft bereits einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz.

Entwicklung der Treibhausgasemissionen

Während die gesamten Treibhausgasemissionen in Österreich im Zeitraum von 1990-2017 um 4,6% gestiegen sind, haben jene aus der Landwirtschaft im gleichen Zeitraum um 10,2% abgenommen. Gemäß der aktuellen Treibhausgasinventur 2019, in der die Treibhausgasemissionen von 2017 abgebildet sind, werden rund 8,9% (7,3 Megatonnen Kohlendioxid-Äquivalente) der österreichischen Treibhausgas-emissionen durch die Landwirtschaft verursacht.

Grundsätzlich werden im Landwirtschaftsbereich die drei Kategorien „Enterogene Fermentation“ (das sind Emissionen aus der tierischen Verdauung), „Landwirtschaftliche Böden“ und „Wirtschaftsdüngermanagement“ unterschieden. Die ersten beiden Kategorien tragen mit je rund 57% bzw. 28% zu den Emissionen in der Landwirtschaft bei, die Kategorie „Wirtschaftsdüngermanagement“ lediglich mit rund 14%.

In den ersten beiden Kategorien konnte seit 1990 ein starker Emissionsrückgang verzeichnet werden. Dies ist in erster Linie auf einen Rückgang des Rinderbestandes, einen reduzierten Düngemitteleinsatz und die rege Teilnahme am Österreichischen Programm zur Förderung einer Umweltgerechten Landwirtschaft zurückzuführen. Beim Wirtschaftsdüngermanagement ist ein leichter Anstieg wegen der steigenden Anzahl von Flüssigmistsystemen ersichtlich.

Klimawandelanpassung

Die nationale Strategie zur Anpassung an den Klimawandel wurde 2012 im Ministerrat und 2013 von der Landeshauptleutekonferenz verabschiedet und 2016 aktualisiert. Für die 14 behandelten Aktivitätsfelder, darunter auch die Landwirtschaft, wurden spezifische Empfehlungen erarbeitet.

Für den Landwirtschaftsbereich wurden folgende Schwerpunkte identifiziert:

  • Verstärkte Etablierung und Förderung von wassersparenden Bewässerungssystemen sowie Verbesserungen in der Bewässerungsplanung
  • Nachhaltiger Aufbau des Bodens und Sicherung der Bodenfruchtbarkeit, -struktur und -stabilität
  • Integrierte Landschaftsgestaltung zur Bodensicherung und Verbesserung der Agrarökologie inklusive der Erhaltung und Pflege von Landschaftselementen
  • Züchtung und gezielter Einsatz von wassersparenden, hitzetoleranten Kulturpflanzen (Art/Sorte) im Sinne einer regional angepassten Bewirtschaftung
  • Bereitstellung wissenschaftlicher Grundlagen zu möglichen neuen Krankheiten und Schaderregern
  • Umweltgerechter und nachhaltiger Einsatz von Pflanzenschutzmitteln
  • Anpassung des Düngemanagements an saisonale Witterungsverläufe
  • Überprüfung der Standorteignung auf Grund sich ändernder klimatischer Bedingungen und Erarbeitung von Empfehlungen für die Wahl einer an den Standort angepassten Kulturpflanze
  • Berücksichtigung von zukünftigen Anforderungen an die Klimatisierung von Stallungen durch steigende thermische Belastung
  • Optimierung der Glashauskultur hinsichtlich Energie-, Wasser- und Kühlungsversorgungspläne
  • Revitalisierung der Bewirtschaftung von Almflächen und Erhalt bestehender Almflächen

Der Klima- und Energiefonds hat  in Kooperation mit dem Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus 2016 das Förderprogramm Klimawandel-Anpassungsmodellregionen (KLAR!) initiiert. Ziel des Programms ist, Regionen bzw. Gemeinden die Möglichkeit zu bieten, sich auf den Klimawandel vorzubereiten.

Beispiele für Umsetzungsmaßnahmen in der Landwirtschaft (KLAR!)

  • Humusaufbau und  Humus fördernde Bodenbearbeitung zur nachhaltigen Verbesserung von Bodeneigenschaften (Naturpark Pöllauer Tal)
  • Beratung für klimafitte Stall-, Lüftungs- sowie Alarmsysteme (Naturpark Pöllauer Tal)
  • Verbesserung der Wasserversorgung und der Abflusscharakteristik bei Starkniederschlägen (Naturpark Pöllauer Tal)
  • Hangwassermanagement und Erosionsschutz (Freistadt)
  • Invasive Neophyten: Vorsorge, Monitoring, Gegenmaßnahmen (Freistadt)
  • Mein Boden bleibt auf dem Acker (Südkärnten)
  • Forcierung von Humusaufbau, einer klimafitten Fruchtfolge und standortgerechter Pflanzen im pannonischen Klimaraum (Pinkafeld-Riedlingsdorf)
  • Vermeidung von Austrocknung der Grün- und Naturflächen - lange Bodenbedeckung (Pinkafeld - Riedlingsdorf)
  • Gezielt Bodenschutzanlagen anlegen und erhalten (Waldviertler Kernland)
  • Umsetzung der Humusbilanzierung in der Region (Waldviertler Kernland)

Weitere Aktivitäten des BMNT

  • Optimierung der Anpassungs- und Bekämpfungsstrategie für neue Pflanzenkrankheiten und Schädlinge (Warndienste)
  • Anpassung der Sorten an den Klimawandel (Hitzetoleranz)
  • Entwicklung und Ausbau von Instrumenten der Risikostreuung (Versicherungsmodelle)
  • Nachhaltiger Aufbau des Bodens und Sicherung der Bodenfruchtbarkeit (Maßnahmen des Agrarumweltprogramms, Empfehlungen des Fachbeirates für eine standortgerechte, angepasste Düngung, Forschungsprojekte)

Klimaschutz und Klimawandelanpassung in der Gemeinsamen Agrarpolitik

Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) leistet eine wesentliche Unterstützung zur Gestaltung von Programmen und zur Finanzierung von Maßnahmen, um einen Beitrag des Sektors Landwirtschaft zu den Klimazielen zu ermöglichen und auf die Herausforderungen zur Anpassung an den Klimawandel reagieren zu können.

In der Periode 2014 - 2020 sind mindestens 30% der Mittel in der Ländlichen Entwicklung für Umwelt- und Klimamaßnahmen einzusetzen (z.B. betriebliche Investitionsförderung, Innovationspartnerschaften, Bodenschutzmaßnahmen im ÖPUL, Betriebsberatung, Aus- und Weiterbildung der Betriebsführer).

In den GAP-Legislativvorschlägen der Europäischen Kommission für den Zeitraum nach 2020 betrifft eines von neun Zielen explizit Klimaschutz und Klimawandelanpassung. In den EU Vorschlägen nimmt eine der acht von den Mitgliedsstaaten zu programmierenden Interventionskategorien für die ländliche Entwicklung auf klimarelevante Bewirtschaftungsverpflichtungen Bezug.

Veröffentlicht am 12.09.2019, Agrarische Wertschöpfungskette und Ernährung (Abteilung II/8)