Landwirtschaft und Luftschadstoffe

In den vergangenen Jahrzehnten wurden in der Europäischen Union durch die gemeinsame Strategie zur Luftreinhaltung erhebliche Fortschritte bei der Eindämmung anthropogener Emissionen in die Luft und bei der Steigerung der Luftqualität erzielt. Nach wie vor gibt es jedoch bedeutende negative Auswirkungen auf und Risiken für die menschliche Gesundheit und die Umwelt.

Reduktion der nationalen Emissionen bestimmter Luftschadstoffe im Sektor Landwirtschaft

Der Agrarsektor ist betreffend die Vermeidung von Ammoniakemissionen besonders gefordert. Ammoniak (NH3) gilt als Feinstaub-Vorläufersubstanz und hat zu 94 Prozent (von insgesamt 67,9 Kilotonnen im Jahr 2016) seine Ursache in der landwirtschaftlichen Produktion (Umweltbundesamt, Austria´s Informative Inventory Report, REP-0641/2018).

1990 betrugen die Ammoniakemissionen aus der Landwirtschaft 63 Kilotonnen und waren seither relativ stabil. Bis zum Jahr 2016 stiegen diese Emissionen um 0,9 Prozent auf 64 Kilotonnen. Der Grund für den leichten Anstieg lässt sich durch die Zunahme an Laufstallungen und Hochleistungs-Milchkühen erklären. Weiters gab es einen erhöhten Verbrauch von Harnstoff als Stickstoffdünger. Zuletzt stiegen die Ammoniakemissionen von 2015 auf 2016, vor allem bedingt durch vermehrten Mineraldüngereinsatz auf landwirtschaftlichen Böden, um +1,1 Prozent. Zusätzlich hatte der leichte Anstieg des Milchkuhbestandes bei einem höheren durchschnittlichen Milchertrag einen Einfluss auf die Erhöhung der Emissionen.

Das Wirtschaftsdünger-Management (Tierhaltung und Lagerung von Wirtschaftsdünger) hatte 2016 einen Anteil von 43 Prozent an den nationalen Ammoniak-Gesamtemissionen. Innerhalb dieser Kategorie lieferte das Wirtschaftsdüngermanagement für Rinder, abhängig von der Tierzahl, vom Stallsystem und der Güllebehandlung,  den höchsten Beitrag mit 58 Prozent. Seit 1990 kam es in der Untergliederung zu einem Anstieg um 4,9 Prozent.

Landwirtschaftliche Böden bewirkten 2016 mit einem Anteil von 51 Prozent den höchsten Beitrag zu den nationalen Ammoniak-Gesamtemissionen, ausgelöst durch die Verwendung mineralischer Stickstoffdünger und organischer Dünger (enthält die Ausbringung von Stallmist, Gülle, Energiepflanzen, Kompost). Dazu kommen als Emissionsquellen noch Urin und Dungablagerung durch Weidevieh.

Um der negativen Entwicklung entgegenzutreten haben das Europäische Parlament und der Europäische Rat am 14. Dezember 2016 die Richtlinie (EU) 2016/2284 über die Reduktion der nationalen Emissionen bestimmter Luftschadstoffe erlassen. Im Anhang II dieser NEC-Richtlinie wurden nationale Emissionsreduktionsverpflichtungen festgelegt. Um die dort genannten Schadstoff-spezifischen Ziele für 2020 und 2030 zu erreichen, wurden die Erstellung nationaler Luftreinhalteprogramme mit bestimmten Mindestinhalten und die Festlegung von Emissionsreduktionsmaßnahmen vorgeschrieben.

Neben diversen fakultativen Maßnahmen oder Maßnahmen vergleichbarer Minderungswirkung sind für den Sektor Landwirtschaft zwei obligatorische Maßnahmen zur Begrenzung der Ammoniakemissionen im Anhang III, Teil 2 der NEC-Richtlinie enthalten:

  • Erstellung eines nationalen Ratgebers für die gute fachliche Praxis in der Landwirtschaft zur Begrenzung von Ammoniakemissionen unter Berücksichtigung des einschlägigen UNECE-Verfahrenskodex für gute fachliche Praxis in der Landwirtschaft aus 2014.
  • Verbot des Einsatzes von Düngemitteln aus Ammoniumcarbonat (Umsetzung erfolgt national mit dem Emissionsschutzgesetz-Luft, EG-L 2018).

Dabei berücksichtigen die Mitgliedstaaten den einschlägigen Ammoniak-Leitfaden und nutzen die besten verfügbaren Techniken gemäß Richtlinie 2010/75/EU vom 24.11.2010 über Industrieemissionen (integrierte Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung), welche auch auf die Intensivhaltung oder -aufzucht von Geflügel und Schweinen über einer bestimmten Anzahl von Haltungsplätzen Bezug nimmt. Der Leitfaden „Umsetzung der BVT-Schlussfolgerungen – Intensivtierhaltung“ wurde als Bericht des Umweltbundesamtes REP-0636/2017 veröffentlicht. Rechtsgrundlage hierfür ist der Durchführungsbeschluss EU (2017/302) der Europäischen Kommission.

Die Mitgliedsstaaten haben die zur Erfüllung der NEC-Richtlinie erforderlichen Rechts- und Verwaltungsvorschriften bis 1. Juli 2018 in Kraft zu setzen. Das erste nationale Luftreinhalteprogramm ist der Europäischen Kommission bis zum 1. April 2019 zu übermitteln.

Gemeinsam mit Vertretern der Landwirtschaftskammern, der Ämter der Landesregierungen, der Verbände im Tierbereich, des Österreichischen Kuratoriums für Landtechnik und Landentwicklung sowie der Experten aus Forschung und Entwicklung des Landwirtschaftlichen Forschungszentrums Raumberg-Gumpenstein und der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit hat das BMNT in einem mehrmonatigen Beteiligungs- und Abstimmungsprozess einen nationalen Ratgeber für die gute fachliche Praxis in der Landwirtschaft zur Begrenzung von Ammoniakemissionen erarbeitet, welcher an dieser Stelle unter Downloads veröffentlicht wird.

Der NEC-Ratgeber steht damit der landwirtschaftlichen Beratung und den Landwirten selbst als Information zu Verbesserung der Umweltwirkung zur Verfügung.

Veröffentlicht am 11.07.2019, Agrarische Wertschöpfungskette und Ernährung (Abteilung II/8)

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