Rückblick: Der Weg zum Masterplan

Die demografische Entwicklung Österreichs ist von einem starken Wachstum der großen Städte bei gleichzeitiger Bevölkerungsabnahme in peripheren ländlichen Gebieten gekennzeichnet. Der ländliche Raum verliert jährlich mehr als 5.000 gut ausgebildete Personen allein an den Großraum Wien. Bei Fortsetzung dieser Entwicklung würde dies in den nächsten 10 Jahren einen Brain-Drift von über 50.000 Menschen bedeuten.

Bevölkerungsrückgänge in ländlichen Gebieten haben unterschiedliche Gründe. Abwanderung auf Grund von individuellen Zukunftschancen ist ein Faktor. In unserer Wissensgesellschaft steigt der Anteil von Personen mit höheren Bildungsabschlüssen. Mit Blick auf Bildung und Beruf ist für sie die Übersiedlung in zentrale Orte attraktiv, in denen Unternehmen und Institutionen der Wissensökonomie angesiedelt sind. Andererseits tragen geringe Geburtenraten ebenfalls zum Rückgang der Bevölkerung bei.

Der Bevölkerungsrückgang - insbesondere von jungen Frauen - wirkt sich auf das gesamte Sozial- und Wirtschaftsgefüge im ländlichen Raum negativ aus. Vor diesem Hintergrund sind strategische Neuorientierungen und ambitionierte politische Schwerpunktsetzungen für die Zukunft der ländlichen Räume unverzichtbar.

Im Rahmen eines Stakeholder- und Bürgerinnen- und Bürgerbeteiligungsprozesses wurde von November 2016 bis Juni 2017 unter der Federführung des damaligen Bundesministers Andrä Rupprechter erstmals in Österreich ein Masterplan für die Zukunft der ländlichen Räume erarbeitet.

Die wichtigsten Meilensteine waren:

  • Zunächst wurden unter Einbindung von Expertinnen und Experten stellvertretend für die unterschiedlichen Anliegen und Interessen 50 Stakeholder identifiziert.
  • Nach ersten Sondierungsgesprächen mit den Vertreterinnen und Vertretern von rund 25 Stakeholder-Organisationen wurden mit 25 Expertinnen und Experten weitere Interviews durchgeführt, um Schwerpunktthemen zu vertiefen und gemeinsame Bedürfnisse auszuloten.
  • Im Rahmen von acht World-Cafés, die inhaltlich auf die Themenbereiche abgestimmt wurden, hatten alle ausgewählten Stakeholder die Möglichkeit, sich direkt in der Diskussion einzubringen. Am Ende jeder Veranstaltung wurden von den Teilnehmenden die Ergebnisse priorisiert. An den acht World-Cafés in acht Bundesländern nahmen insgesamt rund 250 Personen teil.
  • Inhalte mit hoher Gewichtung wurden in Redaktionssitzungen mit Expertinnen und Experten weiter verdichtet.
  • Ziele und Ideen der Stakeholder wurden durch Expertinnen und Experten des Landwirtschaftsministeriums ergänzt.

Die offen geführten Expertinnen- und Experteninterviews und Stakeholder-Diskussionen zeigten deutlich, welche Herausforderungen auf den unterschiedlichen Ebenen für die Zukunft der ländlichen Räume in Österreich zu bewältigen sind. Wesentliche Zukunftsthemen sind:

Land- und Forstwirtschaft, Wirtschaft und Umwelt

  • Strategische Schwerpunktsetzung in Regionen – Die Stärken des Landes entwickeln
  • Bodenverbrauch – Ländliche Räume intelligent nützen und schützen
  • Energie – Land der Energiewende
  • Ressourcen – Mehr aus den Schätzen des Landes machen
  • Wirtschaftliche Zusammenarbeit – Mehr fürs Land unternehmen

Verwaltung

  • Dezentralisierung – Nahe an der Bürgerin/am Bürger
  • Gemeindeübergreifende Kooperationen: Gemeinsam mehr bewegen

Leben am Land – Fairness, Vereine, Bildung, Tourismus, Kulinarik

  • Frauen – Die Zukunft des Landes ist weiblich
  • Bildung – Zukunft in den Regionen bilden
  • Abwanderung – Neue Perspektiven braucht das Land
  • Tourismus – Das Land hat immer Saison
  • Ehrenamt – Vereine stärken
  • Kulinarik – Unserem kulinarischen Erbe Zukunft geben
  • Kultur: Kraft für regionale Zukunft

Infrastruktur, Mobilität und Digitalisierung

  • Mobilität – Die besten Verbindungen fürs Land
  • Infrastruktur – Die digitale Gemeinde kann mehr

Soziale Verantwortung

  • Gesundheitsversorgung – Besser versorgt, sicher gesund
  • Versorgung von älteren Menschen – Gemeinsam statt einsam
  • Kinderbetreuung – Familie und Beruf besser vereinbaren
  • Soziale Dienstleistungen – Green Care

Die bearbeiteten Themen waren breit gestreut und entsprechen damit der Vielfalt der ländlichen Räume: Sie reichen von Land- und Forstwirtschaft und Wirtschaft über Infrastruktur und Mobilität bis hin zum digitalen Dorf. Auf Basis dieser Strategie sollen die Wirtschafts- und Lebensbedingungen am Land auch zukünftig systematisch verbessert und eine nachhaltige Entwicklung der ländlichen Räume gesichert werden.

Veröffentlicht am 07.02.2020, Kommunikation und Service (Abteilung Präs. 5)

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