Benachteiligte landwirtschaftliche Gebiete

In diesen Gebieten wirtschaften die Bauern unter er­schwerten Produktionsbedingungen, die in Öster­reich vor allem durch steile Flächen, Höhenlage und damit ver­bun­den einem ungünstigen Klima und meist abgeschiedener Lage zum Ausdruck kommen.

Die Betriebe in diesen Regionen sind mit denen in soge­nannten Gunstlagen nicht wettbewerbsfähig. Sie erhalten daher zum Ausgleich der zusätzlichen Kosten und Einkommensverluste, die ihnen aufgrund von Nachteilen für die landwirtschaftliche Erzeugung in den betreffenden Gebieten entstehen eine Ausgleichs­zulage. Damit soll die Fortführung der Landwirtschaft bzw. die Erhaltung der Kulturlandschaft und damit die Besiedlung und Infrastruktur auch in diesen Regionen für zukünftige Gene­rationen gesichert werden.

Die als „Benachteiligte Gebiete“ bezeichneten Regionen umfassen je nach Art ihrer Erschwernis im Hinblick auf die landwirtschaftliche Nutzung die „Berggebiete“, die „Sonstigen Benachteiligten Gebiete“ („Zwischengebiete“) und die Gebiete mit spezifischen Nachteilen („Kleine Gebiete“). Das Benachteiligte Gebiet umfasst rund 80 % der Landes­fläche Österreichs, wobei allein 70 % der österreichischen Katasterfläche auf das Berggebiet entfallen. Bezogen auf die gesamte landwirtschaftlich genutzte Fläche in Österreich liegen etwas mehr als 50 % im Berggebiet, 6 % im Sonstigen Benachteiligten Gebiet und 8 % im Kleinen Gebiet.

Die von der Europäischen Union gemäß ELER-Verordnung verpflichtend vorgeschriebene Neuabgrenzung des sogenannten „Sonstigen benachteiligten Gebietes“ wurde nach einem intensiven Vorbereitungsprozess in Österreich im Jahr 2019 abgeschlossen und im Rahmen einer Programmänderung offiziell von der EU genehmigt.

Die neue Gebietskulisse ist aus der Karte, die im Downloadbereich angeboten wird, ersichtlich.

Berggebiete

Die Landwirtschaft im Berggebiet hat in Österreich eine große regionale, soziale und volks­wirtschaftliche Bedeutung, da der überwiegende Teil der land- und forstwirtschaftlichen Be­triebe dort wirtschaftet und damit zur Erhaltung und Pflege dieses Lebensraumes einen ent­scheidenden Beitrag leistet. Die Arbeit dieser Betriebe ist auch die Basis für den Fremden­verkehrs- und Freizeitsektor, der einen nicht unwesentlichen Anteil des österreichischen Bruttoinlandsproduktes ausmacht.

Die Milchvieh- und Rinderhaltung stellen die für die Betriebe des Berggebietes mit Abstand wichtigsten Produktionsbereiche dar, wobei die Betriebe mit höchster Erschwernis oft fast ausschließlich von diesen Bereichen – neben der Forstwirtschaft – abhängig sind. Die zu­nehmende Ausrichtung auf die Grünlandnutzung hat dazu geführt, dass der Ackerbau seine frühere Bedeutung zur Selbstversorgung der bäuerlichen Familie immer mehr verloren hat.

Die Almen bedecken rund 12 % der österreichischen Gesamt­katasterfläche und verdeutlichen damit ihre große raumwirtschaftliche, ökonomische und ökologische Bedeutung für Österreich. Die Beweidung der Almen erweitert die Futtergrund­lage des Heimbetriebes, Heimflächen können dadurch in einem größeren Ausmaß zur Winterfutter­gewinnung genutzt werden, wodurch die Haltung eines höheren Viehbestandes und damit eine bessere ökonomische Grundlage des Betriebes ermöglicht wird.

Leider ist nicht zu übersehen, dass die Milchwirtschaft sich zunehmend in günstigere Regio­nen des Berggebietes verlagert, eine Tendenz, die seit dem Auslaufen der Milchkontingen­tierung an Schubkraft gewinnt. Es bleibt zu hoffen, dass es gelingt, durch entsprechende Initiativen im Bereich der Vermarktung von Milchprodukten, durch vermehrte Schaffung sonstiger Einkommensmöglichkeiten und entsprechender Förderungen den schwer arbeitenden Bergbauernbetrieben nachhaltig zufriedenstellende Einkommensmög­lichkeiten zu ermöglichen. Aufgrund der großen Bedeutung der Berggebiete in diesem Land ist nämlich die Aufrechterhaltung der Bewirtschaftung in diesen Gebieten eine Schlüsselauf­gabe für die Erhaltung der österreichischen Kulturlandschaft.

Sonstige benachteiligte Gebiete und Kleine Gebiete

Während die Gemeinden des Sonstigen benachteiligten Gebietes weitgehend keine größe­ren zusammenhängende Regionen bilden und häufig durch Übergangslagen geprägt sind, wird das Kleine Gebiet am stärksten durch die Hügellagen der Südoststeiermark gekennzeichnet, wo die auffallend kleinbetriebliche Struktur sich in einer ausgeglichenen Aufteilung auf die ver­schiedenen Produktionszweige widerspiegelt.

Generell lässt sich feststellen, dass aufgrund der klimatischen Voraussetzungen im Westen die Grünlandwirtschaft (Milchvieh- und Rinderhaltung) und gegen Osten hin aufgrund der geringeren Niederschlagsmengen der Ackerbau eine dominie­rende Rolle einnimmt.

Rechtlicher Rahmen

Den rechtlichen Rahmen für die Festlegung der benachteiligten Gebiete und die Gewäh­rung einer Ausgleichszahlung (AZ) für natürliche Benachteiligungen setzt die Verordnung (EG) Nr. 1305/2013 für die Förderung der Entwicklung des ländlichen Raumes.

Veröffentlicht am 27.06.2019, Agrarumwelt (ÖPUL), Bergbauern und Benachteiligte Gebiete, Biologische Landwirtschaft (Abteilung II/3)