FAO/OECD erstellen gemeinsame Agrarmarktprognose 2020-2029 in unsicheren Covid-19 Zeiten

Am 16. Juli 2020 präsentierten die Generaldirektoren der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) ihren jährlichen Agrarmarktausblick für die kommenden 10 Jahre, pandemiebedingt in virtueller Form. Dieses Konsensdokument entstand unter Mitwirkung von Fachleuten aus den Mitgliedsländern und den Fachverbänden.

Auszugsweise seien hier die wichtigsten Aussagen kurz dargestellt. Für präzisere Informationen wird auf den Originalbericht bzw. die Zusammenfassungen (Executive Summary und Folder) und die Pressemeldungen von OECD und FAO verwiesen. Die Links finden Sie am Ende des Artikels.  

Für die meisten Produktgruppen erwarten die Autoren keine signifikanten strukturellen Veränderungen. Als wesentlicher Treiber für die Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion wird weiter das Bevölkerungswachstum sorgen. Verändern können sich die Konsumgewohnheiten, je nach dem Entwicklungsgrad des Landes. Gerade in Ländern mit mittleren Einkommen wird ein Trend von den Grundnahrungsmitteln zu höherwertigen Lebensmitteln erwartet. Dem Trend zu tierischen Nahrungsmitteln entgegen wirken wiederum ökologische und gesundheitliche Überlegungen („Schlankheitstrend“) in den Hocheinkommensländern.

Die pro-Kopf Ausgaben für Lebensmittel werden global steigen, am meisten in den Ländern mit mittleren Einkommen. Die durchschnittliche Nahrungsmittelverfügbarkeit dürfte bis 2029 auf rund 3000 Kalorien ansteigen; die Steigerung beruht zu 60% auf Grundnahrungsmitteln und Fetten. Insgesamt wird der Anteil der Grundnahrungsmittel am Gesamtnahrungsmittelaufkommen bis 2029 sinken. In Niedrigeinkommensgebieten wird auf Grund der pandemiebedingten Beschränkungen mit einer Verringerung des für Lebensmittel verfügbaren Einkommens gerechnet.  

Die Verwendung von primären Agrarrohstoffen zur Treibstofferzeugung wird wegen der nachlassenden Bedeutung in den USA und der EU eher sinken.

Die prognostizierten Zuwächse bei der Getreideproduktion werden zu 85 % auf eine Steigerung der Erträge und zu 10% aus verbesserten Landnutzungstechniken beruhen. Nur 5% werden auf eine Steigerung der Landnutzungsfläche zurückgehen.

Erwartet wird eine globale Erhöhung der tierischen Erzeugung um 14%. Hauptprodukt ist hier vor allem Geflügel als am schnellsten wachsenden Produkt, während Steigerungen im Schweinebereich sich auf China konzentrieren.

Ein gut funktionierendes, vorhersehbares Welthandelssystem nutzt sowohl Produzenten als Konsumenten. Überdies sichert ein funktionsfähiges Welthandelssystem die Ernährungslage in Ländern mit Ressourcenknappheit, genauso wie es die Wirtschaft der Exportländer stärkt und Arbeitsplätze sichert. Handelsbeschränkungen sind laut OECD-Generaldirektor Gurria erfahrungsgemäß nicht das richtige Rezept, um Ernährungssicherheit zu gewährleisten.

Was die Preise der meisten Warengruppen betrifft, rechnen die Autoren in den nächsten 10 Jahren im Allgemeinen mit einer stabilen bis leicht sinkenden Tendenz, weil preissenkende Faktoren wie Effizienzsteigerungen preiserhöhende Faktoren wie Ressourcenknappheit, Einkommensausfälle oder höhere Nachfrage auf Grund des Bevölkerungswachstums überwiegen werden. Dies schließt plötzliche Preisvolatilitäten bei einzelnen Produkten nicht aus.

Die Autoren betonen, dass der Kampf gegen Covid-19 große Unsicherheiten in den globalen Wertschöpfungsketten hervorruft. Dazu gehören mögliche Engpässe bei Arbeitskräften, Zulieferindustrien, der Agrarproduktion, der Verarbeitung und in Transport und Logistik. Neben den Covid-19 bedingten Marktverwerfungen sind bei Agrarmarktprognosen in der jetzigen Situation noch andere Unsicherheiten in Betracht zu ziehen. Darunter fallen Ernteausfälle auf Grund von Heuschreckenplagen in Ostafrika und Asien oder auftretende Tierkrankheiten wie das afrikanische Schweinefieber, Antibiotikaresistenzen oder klimatische Wetterextreme. Auf der Nachfrageseite können insbesondere geänderte Konsumgewohnheiten der Verbraucher eine Rolle spielen. Eine Herausforderung für die globale Ernährungssicherheit könnten pandemiebedingte Einkommensverluste der Konsumenten in den Entwicklungsländern darstellen, wo der Wechsel von Grundnahrungsmittel auf höherwertige Lebensmittel seltener gelingen wird. Die an sich mittelfristig guten Aussichten werden somit nur Realität werden, als es den Regierungen gelingt, die unmittelbaren pandemiebedingten wirtschaftlichen und sozialen Effekte durch eine geeignete ausgewogene Politikgestaltung abzufedern.

Veröffentlicht am 05.08.2020, Internationale Agrar- und Handelspolitik (Abteilung II/9)

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