Friedensnobelpreis 2020 geht an das UN-Welternährungsprogramm

Das Nobelkomitee in Oslo gab am 9. Oktober 2020 das UN-Welternährungsprogramm als diesjährigen Empfänger des Friedensnobelpreises bekannt. Es würdigt damit dessen herausragende Rolle im weltweiten Kampf gegen Hunger und Unterernährung, heuer noch erschwert durch die Covid-19 Pandemie.

Das World Food Programm wurde 1961 als Sonderprogramm gemeinsam von der Welternährungsorganisation FAO und der UNO-Generalversammlung gegründet und hat seinen Hauptsitz in Rom.  Mit seinen fast 17.000 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen -  90 % davon arbeiten quer über den Globus verteilt - unterstützt es die akut von Hunger und Unterernährung betroffene Bevölkerung in Krisengebieten mit dringend benötigter ErnährungshilfeNicht selten begeben sich die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen vor Ort damit selbst in höchste Gefahr.

Aktuell leiden 690 Millionen Menschen an akutem Hunger und Unterernährung, darunter auch viele Kinder. Zurückzuführen ist das auf 3 Ursachen:

  • militärische Konflikte wie in Syrien oder dem Jemen,
  • durch den Klimawandel häufiger auftretende Wetterereignisse wie Dürren, Überschwemmungen oder Heuschreckenplagen (Ostafrika), die ganze Ernten blitzschnell vernichten und nicht zuletzt
  • ökonomische Abschwünge.

Mit seiner Hilfe erreichte das WFP im Jahr 2019 insgesamt 97 Millionen Menschen in 88 Ländern. Als logistische Speerspitze der UNO sind im Auftrag des WFP täglich 5.000 Lastwagen, 20 Frachtschiffe und 92 Flugzeuge im Einsatz. Jedes Jahr umfasst die WFP-Ernährungshilfe circa 12,6 Milliarden Mahlzeiten, wovon eine Portion durchschnittlich nur 0,31 US-Dollar kostet.

2019 stellte das WFP 4,2 Millionen Tonnen Nahrungsmittel und 2,1 Milliarden US-Dollar in Form von Bargeld und Gutscheinen zur Verfügung. Nahrungsmittel werden stets so nah wie möglich am Einsatzort beschafft – das spart sowohl Zeit als auch Transportkosten und stärkt die lokale Wirtschaft. Wenn möglich, unterstützt das WFP Menschen in Not zunehmend mit Bargeldtransfers. Bedürftige können damit selbstbestimmt Nahrungsmittel vor Ort kaufen.

Ein weiteres wichtiges Standbein ist die Schulausspeisung. Diese stellt neben der Verhinderung von mangelernährungsbedingten Rückständen bei Größe und Gewicht einen indirekten Anreiz für den regelmäßigen Schulbesuch dar, in manchen Ländern insbesondere für Mädchen nicht selbstverständlich. 2019 erhielten mehr als 17,3 Millionen Schülerinnen und Schüler in 59 Ländern nahrhafte Schulmahlzeiten – viele von ihnen in schwer zugänglichen und entlegenen Gebieten.

Das WFP finanziert sich ausschließlich durch freiwillige Zuwendungen (keine Mitgliedsbeiträge) und konnte 2019 die bisher höchste Gesamtsumme von 8 Milliarden US-Dollar akquirieren. Österreich beteiligt sich regelmäßig an der Finanzierung von WFP-Projekten wie zum Beispiel 2019 mit insgesamt 4,8 Millionen USD.

„Die Verleihung des Friedensnobelpreises ist eine würdige Anerkennung der Arbeit aller WFP Angehörigen, die täglich an die 100 Millionen Kindern, Frauen und Männern Nahrung und Hilfsgüter in entlegenste und gefährliche Gegenden bringen. Menschen, deren Leben durch Instabilität, Unsicherheit und Konflikte bestimmt wird.“ Diese Stellungnahme von WFP Exekutivdirektor David Beasley ist Ausdruck der höchsten Wertschätzung für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Dienste von Humanität und Frieden.

Umgehend nach Bekanntwerden gratulierte Frau Bundesminister Elisabeth Köstinger dem WFP zur Verleihung. „Das WFP der UNO leistet einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen den globalen Hunger. Aus diesen Grunde hat das BMLRT hat in diesem Jahr bereits 1,6 Mio. Euro für Hilfe zur Verfügung gestellt.“

Das BMLRT – zuständig für internationale Nahrungsmittelhilfe im Rahmen der Food Assistance Convention – fördert unter fachlicher Einbindung des Bundesministeriums für europäische und internationale Angelegenheiten sowie der Austrian Development Agency jährlich Nahrungsmittelhilfeprojekte anerkannter Hilfsorganisationen wie WFP, FAO oder dem Internationalen Komitee des Roten Kreuzes (IKRK) im Ausmaß von 1,6 Millionen Euro. 2020 fiel die Auswahl auf 2 Projekte des WFP für Syrien (1 Mio. Euro in Form von Bargeldtransfers bzw. Nahrungsmittelpaketen für ca. 100.000 Personen) und dem Libanon (600.000 Euro in Form von Bargeldtransfers für ca. 29.000 Haushalte), dessen humanitäre Lage sich auf Grund der Explosionskatastrophe im Hafen von Beirut am 4. August 2020 extrem zugespitzt hat.

Veröffentlicht am 13.10.2020, Internationale Agrar- und Handelspolitik (Abteilung II/9)