Neue Regelung für die Tierhaltung auf Biobetrieben

Die biologische Erzeugung ist ständig im Wandel. Neue Herausforderungen zeigen sich auch im Spiegel neuer Regelungen, für deren Umsetzung Bio-Landwirte Informationen aus erster Hand benötigen.

Im Jahr 2019 wurde in Österreich bereits mehr als ein Viertel der landwirtschaftlich genutzten Fläche biologisch bewirtschaftet. Jeder 5. Betrieb erzeugt biologische Lebensmittel unter Einhaltung der EU-weit geregelten Produktionsanforderungen.

Die gemeinsame Agrarpolitik der EU leistet einen wesentlichen Beitrag durch Kompensationszahlungen und EU-Regelung der Erzeugung, der Verarbeitung, der Vermarktung, Kontrolle und Importe von biologisch erzeugten Lebensmitteln und Futtermitteln.

Die neue EU-Bio-Verordnung 848/18 (Inkrafttreten voraussichtlich 2022) wird einige Veränderungen für die Bio-Bäuerinnen und Bio-Bauern mit sich bringen:

Herausforderungen für die biologische Produktion ab 2020

Im Jahr 2017 prüfte die Europäische Kommission die Umsetzung der derzeit gültigen EU-Bio-Verordnung 834/07 in Österreich, hierbei wurden einige Mängel in der österreichischen Interpretation der Bio-Verordnung festgestellt (siehe unten).

Das Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMSGPK) und das Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus (BMLRT) haben unter Einbeziehung der bäuerlichen Interessenvertretungen (Landwirtschaftskammern und Bioverbände) mit großem Einsatz daran gearbeitet, die bestehenden Auslegungen zur EU-Bio-Verordnung zu überarbeiten, um gemeinsam mit der Europäischen Kommission praxisnahe Lösungen für die Bio-Landwirtschaft zu ermöglichen.

Stellungnahme der Europäischen Kommission

Die Kritik der Europäischen Kommission richtig sich besonders auf die Bereiche Eingriffe (Enthornung), Anbindehaltung, Weidehaltung für Pflanzenfresser und Auslauf bei Ställen: Die österreichische Regelungen hierzu seien nicht im Einklang mit den Regelungen der EU-Bio-Verordnung.

Um die europäischen Anforderungen richtlinienkonform umzusetzen, sind somit Anpassungen notwendig.

Die Stellungnahme der Europäischen Kommission auf die aktuellen Änderungsvorschlägen Österreichs wird im Juli/August erwartet. 

Anpassungen folgender Bereiche:

Weidehaltung von Pflanzenfressern (Rinder, Schafe, Ziegen und Pferde): Im Jahr 2020 muss jeder Bio-Betrieb mindestens ein RGVE (Rauhfutterverzehrende Großvieheinheit) pro Hektar weidefähiger Fläche oder zumindest fünfzig Prozent der RGVE in der Vegetationsperiode auf der Weide halten, wann immer es die Umstände (Boden, Klima) erlauben. Zudem muss auf Basis der Analyse der Ist-Situation am Betrieb („Selbstevaluierung“) ein betrieblicher Weideplan für 2021 erstellt werden und die Beweidung dokumentiert werden.

Für die Durchführung von Eingriffen bei Tieren wie zum Beispiel das Zerstören der Hornanlage bei Kälbern unter sechs Wochen muss einzelbetrieblich die Notwendigkeit begründet und die Genehmigung der zuständigen Behörden eingeholt werden. Für andere Eingriffe wie zum Beispiel die Enthornung von Kälbern älter als 6 Wochen sind einzeltierbezogene Genehmigungen erforderlich. Entsprechende Formulare für die Beantragung einer Ausnahmegenehmigung ab 2020 stehen hier zur  Verfügung.

Ab dem Jahr 2020 darf der Auslauf für Kälber, Lämmer und Kitze nicht mehr zu 100 Prozent überdacht sein. Das Ausmaß der Überdachung für die einzelnen Nutztierarten ist generell noch strittig.

Details zu den Änderungen ab 2020 (ein Übergangsjahr) und häufig gestellte Fragen sind in einer aktualisierten „Fragen-Antworten-Sammlung“ (FAQ) zusammengefasst und im Download-Bereich abrufbar.

Über die Vorgaben betreffend die maximal zulässige Auslaufüberdachung und die Weideverpflichtung ab 2021 wird laufend beraten und die Vorgaben mit der Europäischen Kommission abgestimmt.

Beratungsangebot und Informationen nutzen

Die betroffenen Bio-Betriebe können umfangreiche Beratungsangebote der Landwirtschaftskammern in Anspruch nehmen. Die Mehrkosten der verpflichtenden Weidehaltung können in einzelnen Fällen durch die ÖPUL-Maßnahme „Tierschutz – Weide“ abgefedert werden.

 

Veröffentlicht am 25.02.2020, Landwirtschaft und Ländliche Entwicklung (Sektion II)

Mehr zu diesem Thema

Filteroptionen
Hier können Sie Ihre Auswahl nach Elementtypen einschränken.