Was erwartet die Gesellschaft von Österreichs Wäldern?

Die Bewahrung traditioneller Werte und die Umsetzung innovativer Ideen im Sinne von Forst & Kultur stehen nicht im Widerspruch. Für Forstpolitik und Waldeigentümer bestehen eine Fülle von Herausforderungen!

Wesentlich ist die Vernetzung von Wissen, einerseits aus bereits bestehenden, zum Teil zwischenzeitlich auch verlorengegangenen Erfahrungswerten und andererseits neu zu kreierendem Wissen. Dabei steht die Erfüllung der privaten und der öffentlichen Interessen im Mittelpunkt !

Fragestellung: "Was erwartet die Gesellschaft vom Wald?"

Dafür erscheint es zweckmäßig, aktuelle gesellschaftspolitische Entwicklungen, sogenannte "Megatrends", blitzlichtartig zu beleuchten.


Fasst man die Erkenntnisse der Trendforschung zusammen, so lassen sich u.a. folgende Schlagworte - ohne dass dabei eine Wertung vorgenommen wird - anführen:
 

  • Generell stark steigender Wohlstand bei gleichzeitiger Zunahme neuer Formen von Armut auch in unserem Land
  • Immer kürzer werdende Arbeitszeiten
  • Steigende Freizeit- und Erholungsbedürfnisse, "Wellness-Boom", Rasantes Wachstum in den Bereichen Trendsportarten und Abenteuerurlauber mit erhöhter Risikobereitschaft
  • Höheres Lebensalter mit starker Überalterungstendenz der Bevölkerungspyramide
  • Komfortable Lebensbedingungen
  • Überdurchschnittlich lange Friedenszeit im EU-Raum
  • Migrationen mit Verstädterungstendenz und Entsiedelung periperer Räume
  • Gesteigerte Disparitäten zwischen urbanen und ländlichen Gebieten
  • Strukturwandel mit Rückgang der bäuerlichen Bevölkerung
  • Rasanter Wandel der Arbeitswelt und Entwicklung neuer Märkte
  • Globalisierung mit negativen aber auch vielen positiven Begleiterscheinungen

Gleichzeitig ist aber auch die Suche nach neuen Werten feststellbar. Kirchlicher Gemeinschaften sprechen von einem Zunehmen der Spiritualität. Esoterische Bewegungen boomen und manche gesellschaftlichen Ereignisse nehmen den Charakter von Ersatzreligionen an. Es gibt in unserem Land auch viele engagierte, verantwortungsvolle, vor allem junge Menschen mit Zukunftsperspektiven. Aufgeschlossenheit, Toleranz, zunehmendes Wissen und die Motivation mündiger umweltbewusster Konsumenten lassen darauf schließen, dass Strategien für ein nachhaltiges Österreich auch in der Praxis umsetzbar werden.

Gesellschaftspolitische Werte:
 

Seit Menschengedenken stellt der Wald einen unersetzbaren Ressourcenwert als Lieferant von Holz für alle möglichen Verwendungszwecke dar. Historiker sprechen vom "hölzernen Zeitalter", das erst mit der beginnenden Nutzung fossiler Energiequellen beendet wurde.

Wälder haben in nahezu allen Weltreligionen einen beachtlichen spirituellen Wert, dessen Wurzel schon lange zurückreicht.

Obwohl Siedlungsräume dem Wald stets abgerungen werden mussten, stellt das Ökosystem Wald insgesamt einen enormen kulturellen Wert dar.

Der Produktionswert des Waldes wurde spätestens in holzknappen Zeiten in Folge historischer Übernutzungen bewusst. Aspekte der Versorgungssicherheit mit dem Rohstoff Holz auch in Krisenzeiten gewannen seit dem Mittelalter an Bedeutung.

Wald hat einen ökonomischen Kapitalwert durch die Möglichkeit der Nutzung von Holz und Nichtholzprodukten sowie hoffentlich künftig verstärkt auch von Dienstleistungen.

Um die Jahrhundertwende 19./20. Jahrhundert bekam mit der Entwicklung der Erholungs- und Tourismuswirtschaft der Wald einen landschaftlichen ästhetischen Wert. Waldbesucher nutzen seit dieser Zeit den Erholungswert.

Mit der Humanisierung der Arbeitswelt in allen Bereichen wurde der Aspekt der Zufriedenheit am Arbeitsplatz Wald ebenfalls wichtig.

Seit rund 150 Jahren misst die Wissenschaft und seit rund 100 Jahren die Naturschutzbewegung der ökosystemaren Lebensvielfalt des Waldes große Bedeutung bei. Der Wert der Biodiversität wurde spätestens bei der UN-Umweltkonferenz weltweit als öffentliches Interesse deklariert.

Nicht zuletzt gewinnt der kulturhistorische Wert der Wälder, aber auch der mit dem Waldeigentum verbundenen unzähligen Kulturgüter, an Bedeutung.

Die Gewichtung der Ansprüche an den Wald sind einem laufenden Wertewandel unterstellt, der die gesellschaftliche Entwicklungen und Bedürfnisse wieder spiegelt (positiv wie negativ). Das hängt v.a. vom Entwicklungstand und der Kultur der jeweiligen Länder ab. Entsprechende Korrelationen sind wissenschaftlich abgesichert.

Waldwirkungen, neue Themenfelder und Interessenausgleich

Die Wirkungen des Lebensraumes Wald sind im Forstgesetz dementsprechend verankert. Mit der Forstgesetznovelle 2002 wurde klar gestellt, dass jeder Wald auch als Lebensraum anerkannt wird. In den letzten Jahren haben die Themenfelder "Wasserversorgung, Klimaschutz und Biodiversität" wesentlich an Bedeutung gewonnen.


Im Zentrum der forstpolitischen Bemühungen steht die Optimierung des Interessenausgleiches zwischen Waldeigentümern und sonstigen gesellschaftlichen Gruppen.


Zur Optimierung dieses Zusammenwirkens kommen den sogenannten "Bottom-up-ansätzen" besondere Bedeutung zu. Instrumente dafür sind Information, Beratung, Förderung, Know-how, Dialog, Aus- und Weiterbildung etc.


Ordnungspolitische Ansätze im Sinne von "Top-down-Instrumenten" (Gesetzliche Lenkungsmaßnahmen und Schutzbestimmungen) sollen prinzipiell nur soweit nötig subsidiär zur Anwendung gelangen.
 

Veröffentlicht am 26.02.2021, Waldschutz, Waldentwicklung und forstliche Förderung (Abteilung III/3)