Forststrassen - Lebensadern des Waldes

Forststraßen sind  Basis für eine nachhaltige, multifunktionale und kleinflächige Waldbewirtschaftung. Die Erreichbarkeit der Wälder ist aus ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Gründen erforderlich.

Forststraßen sind Wald im Sinne des Forstgesetzes

Wald­flä­chen, auf denen Forst­stra­ßen er­rich­tet wur­den, blei­ben nach den Be­stim­mun­gen des Forst­ge­set­zes 1975 i.d.g.F. wei­ter Wald. Sie tra­gen zur Er­fül­lung der vier Funk­tio­nen des Wal­des (Nutz-, Schutz-, Wohl­fahrt- und Er­ho­lungs­funk­ti­on) bei.

Forst­stra­ßen sind Grund­vor­aus­set­zung für eine ge­ord­ne­te nach­hal­ti­ge Wald­be­wirt­schaf­tung. Die gute Er­reich­bar­keit von Waldor­ten ist neben wirtschaftlichen Aspekten auch im Ka­ta­stro­phen­ein­satz (Wald­brand, Men­schen­ret­tung, Ele­men­tar­er­eig­nis­se, wie La­wi­nen, Stein­schlä­ge, Muren) sowie zur Aufrechterhaltung der Schutzwirkung unserer Wälder von großer Bedeutung.

Forst­auf­schlie­ßung (Forst­stra­ßen bzw. Rü­cke­we­ge) er­laubt den im Wald Be­schäf­tig­ten die zu­mut­ba­re, vom Wet­ter un­ab­hän­gi­ge und ge­sund­heits­scho­nen­de Er­reich­bar­keit ihres Ar­beits­plat­zes Wald. Forststraßen  sind  aber auch Ar­beits­or­te für die Wald­be­wirt­schaf­tung. Daher sind Ge­fah­ren­hin­wei­sen ("Vor­sicht Wald­ar­beit" - Be­fris­te­te forst­li­che Sperr­ge­bie­te)  auf der Forst­stra­ße un­be­dingt Folge zu leis­ten.

Forst­auf­schlie­ßungs­we­ge wer­den gerne von der Be­völ­ke­rung zum Wan­dern und Spa­zie­ren­ge­hen ge­nutzt. Eine über die forst­ge­setz­lich er­laub­te Frei­zeit­nut­zung (Be­tre­tungs­recht des Wal­des zu Er­ho­lungs­zwe­cke) be­darf aber ge­son­der­ter ver­trag­li­cher Re­ge­lun­gen.

Forststraßen sind auch Lebensräume

Un­ter­schied­lichs­te Tier- und Pflan­zen­ar­ten nut­zen Forst­stra­ßen, vor allem die Bö­schun­gen, als Le­bens­raum.

Die Walderschließung füh­rt zu Rand­li­ni­en­ef­fek­ten mit auch positiven Auswirkungen auf die Waldbiodiversität.  Der ver­mehr­te Licht­ein­fall ermöglicht das Vor­kom­men an­de­rer Pflan­zen­ge­sell­schaf­ten als im ge­schlos­se­nen Wald.

Struk­turvielfalt wird von Fle­der­mäu­sen, ei­ni­gen Vo­gel­ar­ten bis hin zum Scha­len­wild ge­schätzt. Ha­bicht und Stein­ad­ler nut­zen z.B. Stra­ßen als Flug­schnei­sen, Rauh­fuss­hüh­ner die in­sek­ten­rei­chen Of­fen­flä­chen als Nah­rungs­quel­le und auch der Fuchs legt hier gerne schnell und leicht weite Stre­cken zu­rück.

Holzbringung im Gebirge - eine österreichische Erfolgsgeschichte

Ös­ter­rei­chi­sche Forst­in­ge­nieu­re waren und sind stets Pio­nie­re bei der Ent­wick­lung und Ein­füh­rung neuer, na­tur- und land­schafts­scho­nen­der Holz­nut­zungs- und Brin­gungs­tech­ni­ken. Ihre Leis­tun­gen ge­nie­ßen daher, auch beim Forst­stra­ßen­bau, seit Jahr­hun­der­ten welt­weit einen aus­ge­zeich­ne­ten Ruf.

Vor der Er­rich­tung der ers­ten Forst­stra­ßen in der zwei­ten Hälf­te des 19. Jahr­hun­derts, war das Rü­cken oder Brin­gen des Hol­zes vom Schlä­ge­rungs­ort ins Tal meist nur mit Hilfe der Schwer­kraft mög­lich. Holz­rü­cken am Boden war üb­lich. Wald­ar­bei­ter waren ge­zwun­gen, ihre Ar­beits­wo­che in ein­fachs­ten Hüt­ten im Wald zu ver­brin­gen. Viele Arten des Holz­trans­ports ("Brin­gung" = Weg vom Waldort zur öf­fent­li­chen Stra­ße oder zum Ver­ar­bei­ter) waren mit hohen Ge­fah­ren für sie ver­bun­den (wie das Holz­brin­gen mit Schlit­ten).

Große tech­ni­sche Bau­wer­ke wur­den mit hohem Auf­wand an Bau­holz er­rich­tet  (Rie­sen, Klau­sen, Trifteinrichtungen) um die­sen Holz­trans­port si­cher zu stel­len. Daher wurde in deren Um­ge­bung viel Holz auf ein­mal ge­nutzt. Eine klein flä­chi­ge Wald­nut­zung wie heute war kaum mög­lich.

Die tech­ni­sche Re­vo­lu­ti­on im 19. Jahr­hun­dert er­öff­ne­te neue land­schafts- und holz­scho­nen­de Me­tho­den, wie die Er­rich­tung von Wald­bah­nen. Viele die­ser Ent­wick­lun­gen wur­den durch ös­ter­rei­chi­sche Forst­leu­te ge­macht und so in der Welt als "ös­ter­rei­chi­sches forst­li­ches In­ge­nieur­we­sen" be­rühmt.

Ein Bei­spiel sol­cher "ös­ter­rei­chi­scher In­ge­nieur­leis­tung", die erste Forst­stra­ße im Ge­bir­ge im Her­zog­tum Stei­er­mark, ist jene im Har­tels­gra­ben im Ge­biet der Stei­ri­schen Lan­des­fors­te. Diese in Hand­ar­beit als Tro­cken­stein­bau er­rich­te­te Forst­stra­ße ist bis heute un­be­schä­digt er­hal­ten. Ihre Ge­schich­te wurde als The­men­weg im Na­tio­nal­park Ge­säu­se für Wan­de­rer auf­be­rei­tet.

Sol­che Forst­stra­ßen er­laub­ten erst­mals, häu­fig in Zu­sam­men­wir­ken mit den da­mals neu er­rich­te­ten Ei­sen­bahn­li­ni­en, den Ab­trans­port und den Ver­kauf von lan­gen, bis­her nicht bring­ba­ren Holz­sor­ti­men­ten.

Bis weit ins 20. Jahr­hun­dert war die für den Forst­stra­ßen­bau er­for­der­li­che Ma­te­ri­al­ge­win­nung und -trans­port über­wie­gend Hand­ar­beit. Die er­for­der­li­chen tech­ni­schen Bau­wer­ke, wie Brü­cken, Tun­nel wur­den eben­falls unter Ein­satz we­ni­ger Ma­schi­nen er­rich­tet.

Schub­rau­pen lös­ten Mitte des 20. Jahr­hun­derts die mensch­li­che Ar­beits­kraft ab. Der Nach­teil die­ser Ma­schi­nen war, dass durch sie nur ein Längs­trans­port des Ma­te­ri­als mög­lich war. Erst der Ein­satz der neu ent­wi­ckel­ten Bag­ger ab der 2. Hälf­te des 20. Jahr­hun­derts er­mög­lich­te wie­der eine de­tail­rei­che und sehr land­schafts­scho­nen­de Bau­wei­se.

Mo­derns­te und scho­nen­ds­te Holz­brin­gungs­tech­nik wurde und wird in Ös­ter­reich ent­wi­ckelt. Seil­krä­ne zum Beispiel könn­ten ohne Forst­stra­ßen nicht in Be­trieb ge­nom­men wer­den.

Forststraßenbau ist strengen gesetzlichen Regelungen unterworfen

Im gül­ti­gen ös­ter­rei­chi­schen Forst­ge­setz ist die „Brin­gung“ - damit auch die we­sent­lichs­te Form von Brin­gungs­an­la­gen, die Forst­stra­ßen – um­fas­send in einem ei­ge­nen Ab­schnitt ge­re­gelt:

Vorgeschrieben ist, dass die  Pla­nung von und die Bau­auf­sicht bei der Er­rich­tung von Forst­stra­ßen nur durch be­son­ders aus­ge­bil­de­tes Fach­per­so­nal er­fol­gen darf. Die  Er­rich­tung einer Forst­stra­ße ist an eine be­hörd­li­che Be­wil­li­gung bzw. an eine An­mel­dung bei der Be­hör­de ge­bun­den. Meist ist auch neben der forstrechtlichen eine naturschutzrechtliche Bewilligung erforderlich.

Für jede Neuerrichtung sind de­tail­lier­te Un­ter­la­gen über das Pro­jekt  bei­zu­brin­gen und bei gegebener Be­wil­li­gungs­pflicht ist eine Bau­ver­hand­lung vor Ort vor­ge­schrie­ben.

Jede Forst­stra­ße muss so an­ge­legt sein, dass sie keine ne­ga­ti­ven Aus­wir­kun­gen auf den Was­ser­haus­halt, auf die Sta­bi­li­tät des Ge­län­des oder auch auf berechtigte In­ter­es­sen des Na­tur­schut­zes her­vor­ruft.

Forst­stra­ßen blei­ben Wald im Sinne des Forst­ge­set­zes – für ihre Errichtung es ist somit keine Ro­dungs­bewilligung er­for­der­lich.

Im Falle von klein­flä­chi­gem Wald­be­sitz kann zur Er­rich­tung einer ge­mein­sa­men Walder­schlie­ßung eine so­ge­nann­te Brin­gungs­ge­nos­sen­schaft ge­grün­det werden, die unter Auf­sicht der Forst­be­hör­de steht.

Förderung des Forststraßenbaues:

Der Forst­stra­ßen­neu­bau sowie der Umbau be­ste­hen­der Forst­stra­ßen auf den Stand der Tech­nik kann im Rah­men des „Pro­gramms für die Länd­li­che Ent­wick­lung“ (LE 14-20) fi­nan­zi­ell un­ter­stützt werden.

Weitere In­for­ma­tio­nen zum Thema Forst­stra­ßen können bei den Be­zirks­forst­in­spek­tio­nen der bzw. den Forst­ab­tei­lun­gen der Lan­des­land­wirt­schafts­kam­mern eingeholt werden.

 

 

 

Veröffentlicht am 20.07.2020, Waldschutz, Waldentwicklung und forstliche Förderung (Abteilung III/3)