Zu- und Umbau der HBLA für Forstwirtschaft Bruck/Mur

Bildung braucht Wurzeln: Die Forstschule in Bruck an der Mur wurde durch
die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) nach höchsten Umweltstandards
saniert und erweitert.

Die österreichische Forstwirtschaft ist eine einzigartige Erfolgsgeschichte und spielt im ländlichen Raum eine wichtige Rolle.

Bildung ist ein wichtiges Mittel, um die Herausforderungen, die im ländlichen Raum auf uns zukommen werden, bewältigen zu können.

Die Forstschule Bruck ist nun mit dem neuen Zu- und Ausbau ein doppeltes Vorbild.

Neben der einzigartigen Ausbildung, um die die Forstschule von vielen Ländern beneidet wird, ist nun auch das Gebäude selbst ein umweltfreundliches Passivhaus.

Bauprojekt

Nach rund zwei Jahren Bauzeit wurde der Um- und Zubau der HBLA fertiggestellt.

Gemäß dem Credo der Schule „Bildung braucht Wurzeln“, erfahren rund 420 Schülerinnen und Schüler diese symbiotische Verbindung von Tradition und Innovation nicht nur in Form der Lehrinhalte, sondern nun auch durch ihr Schulgebäude.

Zwischen bestehendem Schulgebäude und dem Internat wurde ein drei Geschoße umfassender Zubau errichtet, der die beiden „alten“ Teile miteinander verbindet.
 

Nachhaltigkeit im Fokus

Dabei wurde sowohl beim Neubau als auch bei der Sanierung besonderes Augenmerk auf die Verwendung nachhaltigen Baumaterials, wie 2.000 fm Holz und FCKW-freie Baustoffe, und die Steigerung der Energieeffizienz gelegt.

Die Photovoltaikelemente auf Dach- und Fassadenflächen decken einen Teil des Strombedarfs, während Sonnenkollektoren auf dem
Dach der Internatsaufstockung für Warmwasser sorgen. Eine rund 40.000 Liter fassende Zisterne sammelt Regenwasser für Toileten-spülung und Außenbewässerung.

Darüber hinaus hat die Schule die Etablierung eines Hackschnitzelheizwerkes auf Gemeindeebene unterstützt und bezieht nun
die Wärme aus diesem Heizwerk.

Somit deckt die Schule ab diesem Zeitpunkt ihren Energiebedarf zu 100 % aus nachwachsenden Rohstoffen bzw. Solaranlagen.

Die Behaglichkeit des Holzes, der Einsatz erneuerbarer Energie sowie helle und mit neuester Technik ausgestatte Unterrichts- und
Veranstaltungsräume machen die Forstschule zu einem modernen Bildungszentrum.

Mehr Raum

Neben dem Thema der Nachhaltigkeit war vor allem die Gewinnung zusätzlichen Raumes wichtig.

So beherbergt der Neubau im Kellergeschoß eine Werkstatt zur Metallbearbeitung sowie die zentrale Garderobe.

Im Erdgeschoß bildet die Aula den zentralen „Verkehrsknoten“ und erfüllt als Versammlungsstätte und Ausstellungsbereich
mehrere Funktionen. Sie dient zudem als Foyer, wenn der dahinter gelegene Turnsaal für Veranstaltungen genutzt wird.

Auch die Bibliothek und ein weiterer Mehrzweckraum finden sich auf dieser Ebene.

Der bestehende Speisesaal wurde von 100 auf 180 Sitzplätze vergrößert.

Das erste und zweite Obergeschoß bieten Platz für acht Klassenräume, ein geräumiges Konferenzzimmer sowie Lehrerbüros.

Das bestehende dreigeschoßige Internatsgebäude wurde durch eine Aufstockung um 30 Zweibettzimmer erweitert und beherbergt
nun rund 270 Schüler.

Die Vierbettzimmer aus dem alten Bestand wurden auf Zwei- und Dreibettzimmer umgebaut und auf den neuesten Stand gebracht.

Insgesamt investierte die BIG rund 26 Millionen Euro in den Um- und Zubau der Schule, der nun rund 6.200 m² Nettogrundrissfläche
mehr zur Verfügung stehen.

Bauherr und Eigentümer des Gebäudes ist die BIG. Mieter ist das Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus, welches
weitere 2 Millionen Euro für Einrichtung und Ausstattung investierte.

Kunstprojekte an der Forstschule

Die Generalsanierung des klassizistischen Schulhauses und des Internatsgebäudes aus den 80er Jahren sowie eine Erweiterung des Ensembles durch die Grazer Architekten Hussa-Kassarnig – und nicht zuletzt der wichtige und interessante Lehrinhalt der Schule – waren Anlass für den von der BIG geladenen Wettbewerb „Kunst & Bau“, für den das Künstlerduo Claudia Plank & Hans Werner Poschauko den Zuschlag erhielt.

Jahresringlabyrinth und Märchenwald

Das Labyrinth im Schulhof ist den Jahresringen der Bäume nachempfunden und mit etwa 750 Quadratmetern das größte gepflasterte Steinlabyrinth weltweit. Es definiert nicht nur den Freiraum als zentralen Treffpunkt und Aufenthaltsort, sondern markiert auch informell die Ein- und Ausgänge des Schulgebäudes.

Auf der den Hof umgebenden Glasfassade wurde ein Wald aus überdimensionierten Blättern, Farnen und Forstbewohnern, wie
beispielsweise Spechte, aufgebracht, was sowohl von innen als auch von außen betrachtet den Eindruck imaginärer, transparenter
Waldräume vermittelt. Je nach Sonnenstand und Lichteinfall, je nach Jahres- und Tageszeit, verändert sich der Blätterwald der Glasfassade und ist einmal als Schattenriss am Boden, dann wieder als grüne Skulptur im Glas und in der Nacht als hinterleuchtetes Objekt sichtbar.

klima:aktiv Plakette

Die Klimaschutzinitiative beurteilt und bewertet mit ihrem Qualitätszeichen neben der Energieeffizienz, die Planungs- und Ausführungsqualität, die Qualität der Baustoffe und Konstruktion sowie zentrale Aspekte zu Komfort und Raumluftqualität.
Als sichtbares Zeichen dafür, dass dieser Schulbau diese Qualitätsstandards erreicht hat, wurde der Forstschule, als ersten Schulstandort in Österreich, die klima:aktiv Plakette verliehen.

Veröffentlicht am 10.01.2018, Waldpolitik, Waldökonomie und Waldinformation (Abteilung III/1)